Dienstag, 16. Dezember 2008

Weihnachtliches Gender Mainstreaming

Das wichtigste Fest der Vorweihnachtszeit in Schweden ist St.Lucia - zu Ehren der italienischen Heiligen, die das Licht in die Dunkelheit bringt. Jedes Jahr am 13.12 feiert Schweden die Lucia. Wir befanden, dass man als Teilzeit-Einwanderer dieses kulturelle Highlight miterleben muss und pilgerten am Freitag gen Domkirche. Jede Provinz, jede Stadt, jeder Kindergarten, jede Schule wählt eine eigene Lucia, die dann, gefolgt von "tomten", einer Schar Jungfrauen und Sternenknaben und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf, das Ende der dunklen Jahreszeit einläutet.
Eigentlich wollten Maren und ich uns schon am Donnerstag Abend in eine Zeremonie im Kindergarten mogeln. Da unser nicht mehr ganz dem Kindergarten entsprechendes Alter allerdings sofort ins Auge gestochen wäre, drehten wir noch vor der Tür wieder um und beschlossen, dass die Feier im Dom sowieso viel traditioneller wäre.
So war es dann auch. Ganz besinnlich, mit Einzug der Lucia, Predigt und Luciagesängen ging es in der Kirche zu. Die weibliche Pastorin sorgte bei unserer Schwarzwälder-Begleitung für leichte Verwunderung. "Da würde man bei uns erstmal schlucken", brachte der junge Herr leicht fassungslos hervor.
Tja, wir sind eben in Schweden - Gender Mainstreaming auf allen Ebenen. Schließlich ist in diesem Jahr zum ersten Mal auch ein männlicher Lucia am 13.12 durch die Dunkelheit marschiert. Und woher kam er? Aus dem Värmland.

Samstag, 6. Dezember 2008

Into the wild

Als Kind habe ich mich immer gefragt, was der Weihnachtsmann eigentlich den Sommer über macht. Nach einer Winterwoche in Lappland bin ich mir nun ziemlich sicher, dass er die warmen Monate verschläft, um Kraft zu sammeln den ganzen Winter seine Heimat zu genießen. Und wäre ich der Weihnachtsmann dort oben, ich organisierte mein Leben genauso.

Lappland im Dezember ist der absolute Wahnsinn. Es ist eiskalt (bis -20°C), dunkel (die Sonne geht nicht auf, Sonnenaufgang = Sonnenuntergang), der Schnee liegt kniehoch, aber das alles reicht nicht, der Landschaft ihre Schönheit zu nehmen. Knapp vier Tage verbrachten wir in Kiruna, Abisko und Narvik (Norwegen) und schöpften das Touriprogramm Lapplands komplett aus. Gleich am ersten Tag, nach 22 Stunden Fahrt, ging es auf die Schneemobile und Hundeschlitten. Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde meinen Schlitten gegen ersteres eintauschen. Schneemobil fahren, durch tiefverschneite Märchenwälder ist unschlagbar. Aber Schlitten scheinen in Lappland generell ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel zu sein, da selbst die Ältesten damit durch die Stadt cruisen. Es gibt sogar öffentliche Schlittenparkplätze, wo jeder sein Gefährt anschließen kann.
Am nächsten Tag brachen wir gleich früh auf in die Mine Kirunas, die größte unterirdische Mine der Welt. So groß, das komplett Kiruna umgesetzt werden muss, da die Stadt sonst droht einzustürzen. Auch das Eishotel ließen wir nicht unbesichtigt. Da das derzeit aber noch im Bau ist, fehlt noch ein bisschen der Spannungseffekt. Der eigentliche Highlight Tag im wahrsten Sinne des Wortes war aber Donnerstag. Am Morgen besuchten wir eine Samifamilie auf ihrer Renntierfarm und danach ging es weiter nach Norwegen. Man fährt ewig Schneeberge hoch, fragt sich, wann man endlich ankommt, biegt um eine Kurve und plötzlich liegt einem ein Fjord zu Füßen, der sich Kilometer weit dem Horizont entgegen streckt und an dessen Ende der Himmel rot gefärbt ist - das ist ein Anblick, der einem Gänsehaut über den ganzen Körper jagt. Den Abend verbrachten wir dann in einer kleinen Saunahütte, mitten im Niemandsland. 50 Meter von der Hütte lag ein fast zugefrorener See, der uns zus Abkühlung dienen sollte. "That's a little bit hardcore" hatte unsere Guide vorher gesagt. Aber wenn man schonmal da ist, nimmt man auch die hardcore Sachen mit. Allerdings nur einmal. Denn schon auf dem Hinweg zum See, den ich rennend absolviert hatte, waren meine Füße taub vor Kälte. Nie wieder werde ich nach der Sauna barfuß auch nur einen Krümel Weiß betreten!
Die Belohnung für die Qualen kam dafür aber prompt hinterher. Am Himmel breiteten sich plötzlich riesige grüne Leuchtschwaden aus - Polarlichter! Der eigentliche Grund, warum ich nach Lappland wollte. Man kann stundenlang stehen und nur zu sehen, da die Lichter ihre Form ständig ändern, mal verschwinden und wieder auftauchen. Ein unglaubliches Naturspektakel.

Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde Weihnachten in den Sommer legen und im Winter nur durch Lappland stiefeln.

United in Manchester

Das Eldorado des BritPop, ein Maximum an Hip-Faktor, eine breitgefächerte Clubszene und mitten drin Steffi, Melanie, Judith und ich. Vier Leipziger Mädels aus vier Ecken Europas - in England wiedervereint, besser geht es gar nicht. Und so trafen wir uns letztes Wochenende in der Heimat von Oasis, Ian Curtis und Take That um drei Tage lang Wiedersehen zu feiern, einzukaufen, tanzen zu gehen und Manchester zu ergründen. Plan und Datum standen seit Sommer fest. Am Donnerstagabend war es dann soweit: Wir fanden uns auf dem "New Order"-Floor des Hostels wieder, völlig verzückt und voller Wiedersehensfreude. Die erste Nacht bestand aus englischen und schwedischen Erasmusgeschichten und Neuigkeiten aus der Leipziger Heimat, die das Heimweh in mir hervorbrachten. Um Letzteres zu bekämpfen brachen wir am nächsten Morgen gleich zum Shoppingmarathon auf, der uns alle einiges an Kraft kostete. Trotzdem: Freitag Abend pilgerten wir zum Sankys, einer alten Seifenfabrik, in der an diesem Abend das Digitalism-DJ Set auflegte, wegen dem wir eigentlich nach Manchester gekommen waren. Denn wieso deutsche Acts in Deutschland sehen, wenn man dafür auch auf die Insel kann?! Für geschlagene 15 Pfund (etwa 19 Euro) versüßten wir uns also den Abend mit feinster Elektomusik. Am nächsten Tag standen Sightseeing, die alte Manchester Werft, die Art Gallery und der Weihnachtsmarkt auf dem Plan. Endlich mal wieder legal in der Öffentlichkeit alkoholhaltigen Glühwein trinken, ohne dafür ein Vermögen zu zahlen. Auf dem good old "German Christmas market" kam bei Heidelbeerglühwein, Spekulatius und "Oh du Fröhliche" auch die erste Weihnachtsstimmung auf. Am nächsten Morgen stand schon wieder der Abschied an. Drei Tage, die viel zu schnell vergingen.

Freitag, 21. November 2008

Von Einsamkeit und Elchspuren

Auch wenn Karlstad keine Weltstadt ist; die richtige schwedische Einsamkeit, tief im Nadelwald, irgendwo an einem See, habe ich bis jetzt noch nicht getroffen bzw. nicht bis gestern. Mein Kurs "Nordic environmental studies" führte uns mal wieder auf Exkursion - diesmal nach Älvsjöhyttan (sollte jetzt jemand auf die Idee kommen, diesen Ort bei GoogleEarth zu suchen, kann ich gleich sagen: hoffnungslos. Der Ort ist so klein, der ist nichtmal verzeichnet. Für alle trotzdem Interessierten: etwa 30 km über Filipstad). Älvsjöhyttan liegt mitten im Wald, an einem Fluss und hat 17 (!!) Einwohner. Eine davon ist unsere Dozentin Pia. Sie betreibt nebenbei ein Hostel in der alten Schule des Dorfes (früher 10 Schüler, heute keine mehr), was für eine Nacht unsere Bleibe war. Thema diesmal: die Beziehung zwischen Mensch/Kultur und Natur. Und wo spricht man darüber besser, als in einem 17 Seelen Dorf. So stapften wir bei bis zu -8 Grad durch das Dorf, ein bisschen durch den Wald, aßen am Lagerfeuer auf der "Igelhöhe", hielten Seminar im ehemaligen Klassenzimmer und diskutierten Kultur und Natur über Elchfleisch und Hagebuttensuppe. Soviel "back to nature" hatte ich noch nie: kein Internet, nur spärlicher Handyempfang, Stromausfall mitten am Tag, arktische Temperaturen, kein Supermarkt, keine Straßenbahn. Dafür aber: der klarste Sternenhimmel, den ich je gesehen habe. Und Elchspuren im mitternächtlichen Neuschnee, völlig entspannte Einwohner und ein Auto, dass weder mit Öl, noch mit Benzin, sondern allein mit brennendem Holz betrieben wird (ein technisches Wunder, meiner Meinung nach).
Wer mich nach meinem 65-jährigen Geburtstag sucht, sollte sich auf den Weg nach Älvsjöhyttan machen.



PS: 17 Einwohner! Ich frage mich, was ich eigentlich immer an Marbach auszusetzen hatte.

Mittwoch, 19. November 2008

Go east

Studenten, so sollt man ja meinen, brauchen keinen Grund zum Feiern. Dass dem aber doch so ist, lernt man in Schweden. Partys werden hier stets mit einem Motto versehen oder als Bildungsreise getarnt. "Horizonterweiterung in Lettland", EU-Osterweiterung etc. - irgendwie lässt sich sowas schon verpacken. So auch in unserem Fall.
Am Sonntag enterten 1200 Austauschstudenten aus ganz Schweden, darunter etwa 100 aus Karlstad die "Regina Baltica" (die vor drei Jahren übrigens auf Grund gelaufen war) im Stockholmer Hafen. Über Nacht ging es gen Lettland, um dort acht Stunden zu verweilen und dann wieder die Übernacht-Heimfahrt anzutreten.
Das eigentliche Hightlight war aber die Schiffstour. Die Szenen, die sich bei der Öffnung des Duty Free Shops abspielten, glichen der Öffnung Aldis an einem Mittwochmorgen, an dem es Hightech-Laptops im Angebot gibt - getreu dem Motto: "Betrunken merkt man wenigstens den Seegang nicht". Zu späterer Stunde drängten sich Studentenmassen auf den Tanzflächen und in der Karaokebar, wirklich erstaunlich, dass es am nächsten Morgen scheinbar doch fast jeder schaffte, von Schiff zu gehen. Über den Zustand einiger schweigt der Verfasser aus Achtung vor derPrivatsphäre. Ungünstig nur in Riga: es war Feiertag bzw. Brückentag vor dem Feiertag. So steuerten wir erstmal ein bisschen orientierungslos durch die, in der Tat, sehr schöne Stadt, die ein bisschen an Erfurt erinnert: kleine, flache Gassen, Fachwerk, unzählige Kirchen und kleine Plätze. Riga hat viel Charm. Die immer wieder aufkommenden Schneestürme überbrückten wir mit einer Shoppingtour durch ein geöffnetes Einkaufszentrum. Gegen Abend schleppten wir uns, ein wenig ausgelaugt wieder zurück auf die "Regina Baltica", um das Spiel vom ersten Abend zu wiederholen. Eigentlich keine schlechte Sache, diese Mischung aus Feier- und Bildungsreise.

Freitag, 14. November 2008

Russky Standard - Ein toter Lenin, der Kreml und die Tsarin

Während Obama den Change nach Amerika brachte, saß ich mit Bernd und 92 anderen Studenten im Bus auf dem Weg in die andere (Ex)-Großmacht. Denn von wo lässt sich so eine amerikanische Wahl besser beobachten, als aus dem fernen Osten?! Acht Tage Russland standen auf dem Programm, Städtetrip nach Moskau und St.Petersburg. Gleich der Reisestart brachte einiges an Aufregung mit sich: mit der Fähre über Nacht nach Finnland. Schlafen auf dem fahrendem Schiff - wow. Leichte Panik stieg in mir auf, als mir bewusst wurde, dass wir noch unter dem Autodeck, das heißt also theoretisch unter Wasser schliefen. Diese Ängste wurden dann aber durch Duty-Freeshopping und dem aufregendem Varieté-Programm auf dem Schiff für etwa 60+ schnell beiseite gefegt. In Finnland angekommen, stiegen wir in den Bus und holperten gen St.Petersburg. Russlands Straßen sind eher Buckelpisten. Schlaglöcher gehören dort zu den wichtigesten Accessoirs. Im Dunkel erreichten wir St.Petersburg, was mir die Kinnlade runterklappen ließ: 500 Paläste hat die Stadt, alle kunterbunt und nachts prächtig angestrahlt. So viel Prunk hätte ich nie erwartet. Dementsprechend vollgepackt war auch unser Touri-Programm der nächsten Tage: der Palast der Katharina der Große hier, Palast von Tsar so und so, Kirche von Tsarin so und so, Eremitage etc. Da ich im russischen Adelsgeschlecht nicht so sehr bewandert bin, bitte ich die unkorrekte Aufzählung zu entschuldigen. Was zu sagen bleibt: St.Petersburg ist wirklich eine beeindruckende Stadt, vor allem im strahlenden Sonnenschein, der uns die ganze Zeit begleitete. Nach drei Tagen ging es dann weiter nach Moskau. Wieder eine Übernacht-Busfahrt. Ich schätze wenn ich mal alt bin und auf Kaffeefahrten stehen sollte, werde ich diese bevorzugt per Schiff absolvieren. Moskau ist nochmal doppelt so groß wie St.Petersburg und genau das vermittelt die Stadt einem auch schon bei der Ankunft: kilometer weite und vor allem hohe Plattenbauten, grau, braun und dunkel. Der Empfang ist nicht so beeindruckend wie in St.Petersburg. Trotzdem ließen wir die Hotspots natürlich nicht aus: Kreml von innen und außen, Bolschoy Theater, die Einkaufsstraßen, die Uni etc. Und, was ganz wichtig ist: am eingewachsten Lenin sind wir vorbeispaziert. Dafür mussten wir allerdings erst das weitreichende Sicherheits-und Ehrerweisungsprogramm verinnerlichen: nicht stehen bleiben, nicht reden, keine Mütze, keine Handschuhe, Hände aus den Taschen. Im Gegensatz zum Mainstreamprogramm unserer Gruppe setzten wir uns sogar mal ab, um den Fernsehturm zu besichtigen, weil der aus technischer Sicht wohl sehr beeindruckend ist. Letztlich zeigten wir uns aber mehr begeistert von dem Denkmal für die russischen Kosmonauten. Alles in Allem auch schön - aber im Nachhinein nicht so schön wie St.Petersburg. Nach vorsichtigem Ertasten des Gefahrenpotentials beider Städte stellten wir fest, dass es sich durchaus auch lohnt, nachts rumzuschlendern. Man wird nicht gleich überfallen oder erstochen. Alles im grünen Bereich.
Unsere Machtübernahme im Kreml ist gescheitert, weil Herr M. und Herr P. nicht in den heiligen Hallen weilten, während wir da waren. Dafür hätten wir ersteren fast in St.Petersburg gesehen, da wir wegen ihm nämlich im Stau standen. Naja, aber das Projekt ist ja noch nicht gestorben - wir bleiben dran.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Danke Herr Kachelmann!

Ja, es sind tatsächlich Schneeflocken, die der virtuelle Herr Kachelmann hier für Karlstad ausspuckt und die gestern früh, auf dem Weg zur Klausur, vom Himmel rieselten. Ich weiß ja nicht, was der eben erwähnte Herr für Temperaturrezeptoren unter der Haut hat, meine sind jedenfalls empfindlicher. Denn die Angabe "gefühlt wie -5/-4°C" finde ich leicht untertrieben. Und so hangelt man sich hier vom mittlerweile endlich wohlig warmen Zimmer in die wohlig warme Bibliothek. Den Weg, der dazwischen und somit außerhalb von Gebäuden liegen, bringt man im Eiltempo hinter sich und denkt dabei: "Oh Gott, es ist gerade mal Oktober. Wie wird das denn im Januar?"

Montag, 20. Oktober 2008

Du gamla, du fria

Bisher dachte ich die architektonisch, atmosphärisch, hippe Perfektion in Paris gefunden zu haben, aber da unterlag ich einer großen Täuschung: seit dem Wochenende befinde ich mich im Stockholm-Rausch. "Das Venedig des Nordens" stand im Reiseführer. Das kann ich voll und ganz bestätigen.
Von Donnerstag bis Sonntag traf ich meine Frau Mutter in dieser wunderbaren Stadt zum exlusiven Kurzurlaub. Keine Touri-Attraktion blieb unberücksichtigt: Seightseeing by boat,
Spaziergang durch die Altstadt - Gamla stan, Vasamuseum, Nationalmuseum, das Trendviertel "Södermalm", das Chiqueviertel "Östermalm", Freilichtmuseum und Tierpark Skansen, Shoppingtour in schwedischen Modehäusern und natürlich den obligatorischen Besuch im Alkoholshop. Das Wort "pflastermüde" bekam durch uns eine ganz neue Dimension. Trotzdem: hat sich wirklich gelohnt. Stockholm ist eine tolle Stadt mit viel Charme und Chique. Da war ich bestimmt nicht
zum letzten Mal...

Dienstag, 14. Oktober 2008

Höst i Karlstad

Von wegen kalt und nass und dunkel. Bisher zeigt sich der schwedische Herbst von seiner besten Seite: morgens werde ich von Sonnenstrahlen geweckt, die hier garantiert viel heller scheinen als in Deutschland, die Bäume sind noch voller Farbenpracht und die schwedische Kälte ist zumindest in Karlstad noch nicht angekommen.
Aber viel toller noch, die heutige Nachricht des Tages: " Hi Anne, your prolongation is fixed. Kind regards, Erika Bergare, International Student Coordinator"

Montag, 6. Oktober 2008

Lektion 3: Die Papierfabrik

Hat sich eigentlich schonmal jemand gefragt, wo die bunten Verpackungen von Tiefkühlprodukten, die lichtundurchlässigen Tetrapaks der Milch oder die pyramidenförmigen Zuckertüten im Café herkommen? Ich habs bis ins Detail erfahren.
Es war mal wieder Exkursions-Zeit. Diesmal nicht mit dem Environmental Kurs, sondern mit Schwedisch. Das heißt: auf schwedisch (deswegen: alle folgenden Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit). Auf dem Programm stand Stora Enso, das zweitgrößte Forstunternehmen und eine der modernste Verpackungsfabriken weltweit. Und das befindet sich.... genau richtig: hier in Karlstad (jedenfalls die schwedische Außenstelle). Täglich werden hier allein 100 Millionen 1-Liter Tetrapaks produziert. Und noch vieles, vieles mehr. Papierherstellung ist ganz schön aufwendig und platzraubend. Hier wie immer die drei wichtigsten Erkenntnisse des Tages: 1. zur Papierherstellung braucht man viel Wasser. Täglich dreimal mehr, als die ganze Kommune Karlstad zusammen. 2. Papierherstellung stinkt. 3. Wenn man sich in der Papierhierarchie nach ganz oben in den Kontrollraum gearbeitet hat, darf man in Hausschuhen durch die Fabrik schlürfen.

Wochenende in Göteborg

Göteborg ist eine wirklich schöne Stadt. Ein bisschen wie Hamburg, finde ich. Finden andere Leute nicht. Aber es gibt einen Park mit Elchen. Richtige Elche. Männlein und Weiblein sind getrennt, obwohl doch gerade Paarungszeit ist?! Komisch.
Und Göteborg hat tolle Bewohner. Eigentlich sind die noch toller als die Stadt an sich.

Freitag, 3. Oktober 2008

Bekenntnis einer Suchtkranken

Hinsetzen, festhalten, anschnallen: es gibt hier Zimtknäckebrot. Nochmal langsam: ZIMTKNÄCKEBROT. Wie geil ist das denn. Knäckig, knusprig, leicht süß und vor allem zimtig. Wie Kekse, nur tausendmal besser. Und die geben bestimmt kein Hüftgold. Einmal angefangen, kommt man nicht davon los. Dank meiner Therapeutin Maren habe ich mir jetzt eingestanden, dass es sich bei mir bereits um eine Sucht handelt. Noch bin ich nicht soweit, sie bekämpfen zu wollen. Deswegen hier eine Bitte an alle derzeit in Deutschland befindlichen Menschen: Ab in den Supermarkt und suchen! Wenn vorhanden, dann kaufen und probieren. Wenn nicht leite ich die Exportabsprachen zwischen Deutschland und Schweden ein.

Montag, 29. September 2008

When America meets Europe

Meine Nachbarin Corrine (Foto: Mitte) ist wirklich eine bezaubernde Person: unterhaltsam, freundlich und immer für einen Spaß zu haben. Sie lebt zusammen mit ihrer Familie und zwöf Pferden auf einer Farm in Ohio und studiert telecommunication. Europa findet sie spitze aber einige der hiesigen Gepflogenheiten kann sie einfach nicht verstehen.
Was Corrine hier merkwürdig findet:
1. Europäer nehmem u.a. Mahlzeiten ohne Fleisch zu sich. Corrine isst selbiges an manchen Tagen ausschließlich. (Atkins lässt grüßen)
2. Wenn Europäer abends weggehen, tun sie das um Spaß zu haben oder gar zu tanzen. Ob der Abend gut war, hängt dann von der Musik und der Stimmung ab. Wenn Amerikaner weggehen, tun sie das, um sich jemandem vom anderen Geschlecht zu krallen. Ob der Abend gut war, hängt vom Erfolg der Suche ab.
3. Europäer ziehen tagsüber die Vorhänge vorm Fenster auf. Warum? Sonnenlicht kann man doch prima mit Lampen ersetzen.
4. Europäer haben manchmal verfärbte oder schiefe Zähne. In Amerika gibt es nichts wichtigeres als ein makelloses Gebiss.
.... Fortsetzung folgt.

Samstag, 27. September 2008

Aufbruch in totgeglaubte Gefilde: Die musikalische Mondlandung

Als musikalische "Kompetenzzentrale" (Zitat Herr Bader) bin ich natürlich stetig auf der Suche nach guter Musik. Man sollte ja denken, Schweden sei dafür das Eldorado. Aber: Ernüchterung. Man bekommt den Eindruck, dass die einzigen Schweden, die Scooter, Mariah Carey und vor allem das überall laufende I kissed a girl by Kate Perry nicht als gute Musik empfinden, nur die sind, die sich gar nicht für Musik interessieren. Wo sind die ganzen Hives, Jenny Wilsons, Mando Diaos, Lykke Lis, Those Dancing Days, Mary Onettes und Love is alls? Ich hatte sie verloren geglaubt, doch dann brach Licht in das Dunkel der furchtbaren Klänge: ich traf tatsächlich einen Schweden, der was von guter Musik versteht und letztere vor allem auch noch selbst produziert. Die Entdeckung eines unerforschten Gebietes: So muss sich Armstrong gefühlt haben, als er den Mond betrat. Seither bin ich verliebt, in diesen - Herr Faber würde es abwertend, Herr Winkler anerkennend - "Muschipop" - nennen. Ganz tolle Neuentdeckung: A dilemma. Elektronische Mädchenmusik mit witzigen Texten wie "It's boring here, I need to drink more". Und das Beste: gibt's alles kostenlos beim Netlabel polkanetwork. Das entschädigt mich und stellt mein positives Bild vom Musik-Schweden wieder her.
Anerkennung, Lob oder Kritik leite ich gern an den jungen Herren weiter.

Mittwoch, 24. September 2008

Optimales Ressourcenmanagement

Hausarbeiten schreiben ist leider auch auf Englisch nicht spaßiger, als man das aus Deutschland gewohnt ist. Im Gegenteil: ein Vergleich des deutschen und schwedischen Wohlfahrtsstaates und noch ein Vergleich der Entstehung der deutschen und der schwedischen Demokratie können ganz schön langweilig sein, wenn draußen die Sonne scheint und die Vögel zwitschern. Da helfen nur die altbewährten Ablenkungsmethoden, die man sich im langen Studentenleben mühselig angeeignet hat (funktioniert nur zu Hause, ungeeignet für die Albertina): Mails checken, aufräumen, telefonieren, Kühlschrank, Mails checken, achso naja, einkaufen müsste man auch mal wieder und Mails wurden auch schon lange nicht mehr gecheckt. Aber in der Erasmus-Zeit kommt zu diesen Manövern ein neues hinzu, was viiiel Zeit braucht und richtig Freude in den Tag bringt: die Reiseplanung. Nicht, dass man als Auslandsstudent nichts zu tun oder zu viel Geld hätte. Aber da ist eben dieser Gedanke im Hinterkopf, den einem viele Menschen eingetrichtert haben: "Diese Zeit kommt nie wieder. Das musst du ausnutzen".
Ich würde sagen: ich nutze meine Ressourcen optimal.

Sonntag, 21. September 2008

Und es gibt sie doch...

... die Sonne in Karlstad. Dafür verantwortlich ist schließlich "Sola", eine Deutsche, die vor vielen Jahren die Sonne nach Karlstad gebracht hat. Deswegen hat Karlstad auch - ohne Witz - die meisten Sonnenstunden in Schweden. Von denen gab es heute eine ganze Menge. Deswegen haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind in Mariebergskogen gefahren, einen großen Park im Süden der Stadt. Es wurde der perfekte Sonntagnachmittag mit "Zoo", Spiegelspielen und Kaffee am See. Und das alles bei T-Shirt Temperaturen und Sonnenschein.

Donnerstag, 18. September 2008

Bad taste Party

Aufgabe: Jeder zieht sich so furchtbar an wie er kann und kommt so hässlich wies nur geht. Maren und Anne schneiden also drei Löcher in große schwarze Müllsäcke, basteln sich aus Letztern noch witzige Hüte und sind der Knaller der Party. Musik ist so bad taste, dass sie schon wieder großartig ist: Blümchen (ich raste total aus), Matthias Reim, Spice Girls und die Backstreet Boys. "Rythm is a dancer" - Ich will zurück in die 90er!

Montag, 15. September 2008

Sport und Aggression

Gute Vorsätze sind ja normalerweise dem neuen Jahr vorbehalten. Da ich aber die Erasmuszeit als neu betrachte, ging mit ihr der Vorsatz neuer sportlicher Aktivität einher. Man soll ja, neben dem kontinuierlichen Joggen, auch immer mal was anderes probieren. Deswegen besorgte ich mir hier frohen Mutes eine "Fitnesscard", mit der ich schon diverse Male angegeben habe. Zum Einsatz kam sie erstmalig heute, nach zwei Schnupperstunden vor zwei Wochen. Auf dem Plan stand: Powerstep plus. Das Plus steht dabei für: plus Zeit, plus Anstrengung, plus Trainingseffekt. Spitze, 90 Minuten Stepaerobic sind quasi ein Klacks, wenn man so eine absolute Sportskanone ist, wie Meiner Einer. Dachte ich. Die Einsicht, dass Joggen eben nicht gleich Powerstep plus ist, kam nach 10 Minuten.
Denn was dieser Kurs verlangt, ist eine koordinatorisch, sportliche Meisterleistung. Mit einer Mischung aus Army-Drill- und lieblicher Kleinmädchen Stimme animiert "Caroline" vor einem riesigen Spiegel, in dem sich jeder beobachten kann, ob auch ja jede Zelle volle Körperspannung besitzt, mithüpft, rennt und die Arme hebt: "Seit ihr bereit? Ich kann euch nicht hören? Seit ihr bereit? Yeah, then let's start: hoch auf das Stepteil, wieder runter, erst links, dann rechts, und jetzt andersrum, und drehen dabei und jetzt noch die Arme, yeah." Der Blick in den Spiegel verrät netterweise: "Du machst dich total lächerlich." Nebenbei läuft eine nette Technovariante von "If you're going to San Francisco". Ich wusste nicht, dass Scott McKenzie schon mit elektronischen Beats vertraut war.
Im Takt werden die Hände dazu geklatscht. Über dem Kopf versteht sich. Für den Trizepts. Das alles mit einem Lächeln und einer Energie, die meiner Meinung nach nur chemisch hergestellt werden kann. Zwischenzeitlich fragte ich mich, ob diese Frau verbotene Substanzen in ihren Nudeln hatte. Wenn, dann brauche ich die für die nächste Trainingseinheit, die schon Mittwoch ist. Erstaunlich, was man für Aggressionen während so eines Kurses aufbauen kann. Soll Sport Letztere nicht eigentlich abbauen?
Als dann nach 80 Minuten endlich Entspannung und Dehnen angesagt ist, frage ich mich, ob man Menschen vielleicht danach einteilen kann, was für Sporttypen sie sind. Wenn dann bin ich, glaube ich, eher so der "Draußen-Sportler"...

Donnerstag, 11. September 2008

Anne goes wild

...zumindest für vier Tage. Auf dem Programm stand wieder eine Exkursion mit dem Environmental-Professor rund um den Vännernsee.
So ging die Fahrt am Montag gen Westseite des "Binnenozeans", wie der See hier genannt wurde. Darüber musste ich ja immer ein bisschen schmunzeln, es sollte sich jedoch zeigen, dass der See wirklich eine ganz beachtliche Größe hat. Wenn man nämlich, so wie wir am Dienstag, auf einem Hausboot bei einer Insel mitten im See schläft, ohne Land am Horizont zu sehen, merkt man: Binnenozeane können ganz schön weitläufig sein. Aber seit dieser Nacht kann ich verstehen, was die Kellyfamily immer an ihrem Hausboot fand. Abgesehen davon war der Zeitplan straff: viel Natur, Vorlesung im Freien, Wanderungen und Bootfahrten. Wichtig zu erwähnen an dieser Stelle: die Schweden sind unglaublich stolz auf ihre 3,7 Schleusen in den Kanälen, die vom Vännern wegführen. Von denen haben wir gleich ein halbes Dutzend mitgenommen. Mein persönliches Highlight war allerdings wesentlich kleiner und weiß bzw rot. Es gab Fisch und Krabben - 3 Mal! Und da hatte man keine andere Chance als Augen zu und durch! So aß man also Seegetier und ist immer noch erstaunt, dass Letzteres weder Brechreiz noch Atemnot ausgelöst hat.
Am Ende wurde aber doch noch alles gut: Ich fand das Paradies und bekam sogar Colorado zu Gesicht.
PS: An dieser Stelle der erwünschte Gruß an Herrn Schmidt. Dein Mitbringsel ist braun und haarig - so wie auf diesem Foto - und steht bei mir in der Dusche. Kannste dir gern abholen, aber nur wenn du die nicht schlachtest. Ich empfehle: ins Bad oder in den Hof stellen!

Sonntag, 7. September 2008

Eine weise Frau sprach...

... gestern am Telefon: "Meistens sind die Partys, auf die man sich seit Langem freut ein totaler Flop. Und die, auf die man nur geht, weil man nichts besseres vorhat, gerade die werden richtig gut. " Recht hat sie!

Mittwoch, 3. September 2008

Lektion 2: Der Biobauernhof

Ich bin jetzt der absolute Bio-, Bauernhof-, Kuh- und Geologiecrack. Zu verdanken habe ich das meinem Professor für Nordic Environmental Studies. Der hat uns heute auf seine Biofarm eingeladen und uns zugeschüttet mit jeglichen Informationen, die auch nur im Entferntesten etwas mit dem Thema des Kurses zu tun haben. Die drei wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammengefasst:1. Das Bauernleben ist anscheinend gar nicht so öde wie gedacht, 2. Bauernhof heißt nicht unbedingt Fliegen und Gestank, 3. Kühe sind eine Wissenschaft für sich. Deswegen an dieser Stelle ein kleines Update in Sachen Kuh, für alle zukünftigen Biobauern unter der treuen Leserschaft: Wer viel gute Milch mit hohem Fettgehalt will (gut für Käse und Joghurt!), der lege sich Jerseys zu. Die sind klein und "leicht", deswegen leider keine guten Fleischgeber. Dafür aber eben exzellente Milch. Wer viel Fleisch, dafür aber weniger Milch will, dem seien Highlands ans Herz gelegt. Die sind spitze: wetterresistent, können bis -30 Grad aushalten und sehen dazu auch noch fetzig aus.

Dienstag, 2. September 2008

Anne ist krank


...was kein Wunder ist, bei diesem komischen wetterähnlichen Zustand von gestern mal 12 Grad und Regen und heute Sonnenschein und 23 Grad.
Naja, aber frische (See)Luft hilft und verjagt den Schnupfen.

Sonntag, 31. August 2008

Lektion 1 - Wie begegnen wir einem Wolf?

Diese und andere Fragen klärten wir auf unserem Värmlandtrip in "the middle of nowhere". Mit dem Bus fuhren wir an einen großen See, mitten im Wald und dort startete unser eintägiges Abenteuer, was zahlreiche Highlights zu bieten hatte: Pilze sammeln, Bären-, Elch- und Wolfsauklärung, Bogenschießen, Kanufahren und in der Sonne liegen.
Ganz nebenbei gab es wertvolle Pfadfinder-Informationen: woran erkenne ich im Wald, dass es gleich regnet, wie finde ich immer den Süden und wieso schließen Ameisen nachts die Türen an ihrem Haufen?




Zum Mittag gab es dann - ungelogen - Elchsuppe und Elchbratwurst, die so aussieht, wie auf dem Bild. Das Gelbe ist kein Erbrochenes, sondern eine Senf-Kartoffel-Paprikasoße.
Und an dieser Stelle muss ich als Thüringerin, die die heimische Bratwurst nicht sonderlich schätzt, zugeben: so 'ne Elchwurst ist was leckeres!

Freitag, 29. August 2008

Anne macht sich schick

fürs Welcome Dinner, zu dem ein "Dresscode" angeordnet war. Türsteher gab es zwar nicht, dafür schräge Blicke für alle Jeansträger. Und das, obwohl in der Uni diniert wurde. Merkwürdig. Lecker wars trotzdem und die überschüssigen Kalorien wurden später in der Arena abgetanzt.

Mittwoch, 27. August 2008

Geburtstag am Meer

und in der Großstadt mit Bernd und Sonnenschein - tolle Mischung für die Schnapszahl.

Karlstad in the sun....


... ein bisher recht ungewöhnliches Bild, deswegen gleich festgehalten. Am Abend wird in der heimischen Küche reingefeiert.

Samstag, 23. August 2008

Typisch Schweden eben

nach einem anstrengenden Abend war heute nicht viel Energie für große Unternehmungen. Also: endlich auf zu Ikea, Bettdecke, -kissen, ein paar Küchenutensilien und den typischen Ikeakram einkaufen.





Und anschließend das wahre Schweden entdecken: 10 Minuten vom Wohnheim entfernt. Was soll man dazu noch sagen?




Mehr Bilder gibts hier

Stadterkundung...


... mit Maren aus Berlin. Wichtigste Erledigung: endlich einen Regenschirm kaufen und vor allem ein Regencap. Schwedischer Regen ist bisher nämlich kurz, aber heftig.