
Als Kind habe ich mich immer gefragt, was der Weihnachtsmann eigentlich den Sommer über macht. Nach einer Winterwoche in Lappland bin ich mir nun ziemlich sicher, dass er die warmen Monate verschläft, um Kraft zu sammeln den ganzen Winter seine Heimat zu genießen. Und wäre ich der Weihnachtsmann dort oben, ich organisierte mein Leben genauso.
Lappland im Dezember ist der absolute Wahnsinn. Es ist eiskalt (bis -20°C), dunkel (die Sonne geht nicht auf,
Sonnenaufgang = Sonnenuntergang), der Schnee liegt kniehoch, aber das alles reicht nicht, der Landschaft ihre Schönheit zu nehmen. Knapp vier Tage verbrachten wir in Kiruna, Abisko und Narvik (Norwegen)

und schöpften das Touriprogramm Lapplands komplett aus. Gleich am ersten Tag, nach 22 Stunden Fahrt, ging es auf die
Schneemobile und
Hundeschlitten. Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde meinen Schlitten gegen ersteres eintauschen. Schneemobil fahren, durch tiefverschneite Märchenwälder ist unschlagbar. Aber Schlitten scheinen in Lappland generell ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel zu sein, da selbst die
Ältesten damit durch die Stadt cruisen. Es gibt sogar öffentliche
Schlittenparkplätze, wo jeder sein Gefährt anschließen kann.
Am nächsten Tag brachen wir gleich früh auf in die
Mine Kirunas, die größte unterirdische Mine der Welt. So groß, das komplett Kiruna umgesetzt werden muss, da die Stadt sonst droht einzustürzen. Auch das
Eishotel ließen wir nicht unbesichtigt. Da das derzeit aber noch im Bau ist, fehlt noch

ein bisschen der Spannungseffekt. Der eigentliche Highlight Tag im wahrsten Sinne des Wortes war aber Donnerstag. Am Morgen besuchten wir eine Samifamilie auf ihrer
Renntierfarm und danach ging es weiter nach Norwegen. Man fährt ewig Schneeberge hoch, fragt sich, wann man endlich ankommt, biegt um eine Kurve und plötzlich liegt einem ein
Fjord zu Füßen, der sich Kilometer weit dem Horizont entgegen streckt und an dessen Ende der Himmel rot gefärbt ist - das ist ein Anblick, der einem Gänsehaut über den ganzen Körper jagt. Den Abend verbrachten wir dann in einer kleinen Saunahütte, mitten im Niemandsland. 50 Meter von der Hütte lag ein fast zugefrorener See, der uns zus Abkühlung dienen sollte. "That's a little bit hardcore" hatte unsere Guide vorher gesagt. Aber wenn man schonmal da ist, nimmt man auch die hardcore Sachen mit. Allerdings nur einmal. Denn schon auf dem Hinweg zum See, den ich rennend absolviert hatte, waren meine

Füße taub vor Kälte. Nie wieder werde ich nach der Sauna barfuß auch nur einen Krümel Weiß betreten!
Die Belohnung für die Qualen kam dafür aber prompt hinterher. Am Himmel breiteten sich plötzlich riesige grüne Leuchtschwaden aus -
Polarlichter! Der eigentliche Grund, warum ich nach Lappland wollte. Man kann stundenlang stehen und nur zu sehen, da die Lichter ihre Form ständig ändern, mal verschwinden und wieder auftauchen. Ein unglaubliches Naturspektakel.
Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde Weihnachten in den Sommer legen und im Winter nur durch Lappland stiefeln.