Montag, 1. Juni 2009

Der Hochsommer ist da...

... und mitgebracht hat ihn Maria, die übers Wochenende zu Besuch kam. Perfektes Wetter für schöne Tage in Karlstad: Hitze, Sonnenschein, Standardprogramm.
Und jetzt, wo Maria wieder weg ist, fangen auch für mich endgültig die letzten Tage an. Komisch. Traurig und schön zu gleich. Auch wenn ich den Satz nicht gern sage, aber doch: die Zeit ist rasend vergangen. Und jetzt, wo der Sommer kommt, es in den Nächten nicht mehr richtig dunkel wird und die Seen langsam Badetemperaturen annehmen, ist mein Jahr hier schon wieder rum. Komisch. Traurig und schön zu gleich.

Sonntag, 24. Mai 2009

...und die Loveparade ist meine Party!

Es wurde angekündigt als das größte Fest des Jahres, DAS Highlight für Karlstad und Umgebung, der Status Quo des Studentendaseins - Das Campusfest. Ausnahmsweise mal, lasse ich die Bilder für sich sprechen. Es war ein grandioses Wochenende...

Dienstag, 19. Mai 2009

Frühjahrsmüdigkeit auf Schwedisch

Volksläufe in Deutschland laufen in etwa so ab: es treten etliche Hundert/Tausend Läufer an, von "kurz vor dem Niedergang" bis zum Ironman-Gewinner. Die Streckenränder sind gesäumt mit fünf mal so vielen Besuchern wie Läufern. Erstere tragen Fanshirts von Läufern, Jubeln bis zur Heiserkeit, halten lustige Spruchbänder in die Höhe und feuern jeden an, der auch nur auf den Brustwarzen vorbeigekrochen kommt. Das motiviert. Das macht Spaß. Volksläufe in Deutschland sind toll!
In Schweden ist das ein bisschen anders. Letzte Woche gingen wir sechs Mädels aka "The Globetrotters" beim Vårruset in Karlstad an den Start. Fünf Kilometer standen auf dem Streckenplan - das sollte zu schaffen sein. Schnell mussten wir aber feststellen, dass die Motivation hier nicht wie gewohnt von den Streckenrändern kommt, sondern wenn überhaupt, dann aus dem Inneren eines Läufers. Denn in Karlstad gingen etwa 8000 Läuferinnen an den Start, maximal ein Viertel dieser Zahl stand/saß/gähnte am Streckenrand. Nach Applaus, Jubel oder sonstige motivierende Aktivitäten suchten wir vergebens. In Schweden steht man am Rand und guckt. Mehr nicht. Wie als säße man vorm Fernseher. Zwar gab es auf der ganzen Strecke etwa 2-3 motivierend gemeinte Schilder zu sehen, allerdings sollten die wohl eher selbsterklärend sein. Deren Besitzer stellten sie einfach lautlos auf den Boden - schließlich kann ja jeder lesen.
Nun ja, ins Ziel kamen wir trotzdem und am Ende winkte sogar noch ein großzügiges Picknick für die Globetrotters. Wenigstens ein bisschen Motivation am Ende...

PS: Sollte ein gewisser Paul Schmidt auch nur einen winzigen hämischen oder zynischen Kommentar über die Streckenlänge verlieren, bin ich nicht länger mit ihm befreundet!

Donnerstag, 14. Mai 2009

Zu Besuch in Falun

Seit August weilen Franzi und ich nun schon in Schweden - "nur" 350 Kilometer von einander entfernt und doch haben wir es erst diese Woche geschafft, uns gegenseitig zu besuchen. Das Warten hat sich aber gelohnt - mit Sonnenschein und Grün ist eben alles schöner. Falun (nördlich von Karlstad) ist zwar wesentlich kleiner, dafür aber viel schöner und vor allem charmanter als Karlstad. Dieser Satz brachte mir, wieder zu hause angekommen einige verächtliche Blicke und Bemerkungen ein. Manchmal tut die Wahrheit eben einfach weh.
Viel Zeit hatten Franzi und ich nicht. Für Falun musste ein kompletter Tag reichen. Den verbrachten wir auf klapprigen alten Drahteseln und radelten von Hotspot zu Hotspot: Skisprungschanzen, Innenstadt, Altstadt und Fluß - ein Tag reicht für das beschauliche Städtchen. Am nächsten Tag fuhren wir dann weiter nach Karlstad, was zwar größer, aber wesentlich weniger aufregend ist. So hatte ich schon ein bisschen Not, Franzi ebenwürdige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Schließlich fanden wir unser absolutes Highlight: der schweinische Neuzugang im Karlstäder "Zoo" und wurden am Abend sogar noch mit einem traumhaften Sonnenuntergang
belohnt.
Wie sooft vergingen die drei Tage viel zu schnell.

Samstag, 2. Mai 2009

Schweden aus dem Bilderbuch

Der Mai ist höchstwahrscheinlich einer der besten Monate in Schweden. Nach dem ewigen Schnee, dem viel zu langem Winter, den tiefen Temperaturen und dem ewigen Grau ist die Sonne nun auch endlich in Karlstad angekommen - und zwar mit voller Kraft. Sonnenaufgang zur Zeit: 04:57 Uhr, -untergang: 21:08.
Soviel Frühling ließ sich auch meine Oma nicht entgehen und stieg ins Flugzeug nach Schweden. Nach "Flirtattacken" auf meine Mitbewohner war die Uni ihr ungeschlagenes Highlight des Besuchs. Meins waren unsere zwei Tage in Lysekil, an der Westküste. Dort findet man das Schweden aus dem Bilderbuch. Viel ist noch nicht los in den winzigen Fischerdörfern. Muss aber auch nicht, so hat man viel mehr Zeit die An- und Ausblicke zu in Ruhe genießen.
Wer mich nach Überschreitung meines Renteneintrittsalter sucht, sollte mal in Lysekil vorbeikommen. Könnte gut möglich sein, dass ich dort meinen Altensitz haben werde.

Donnerstag, 23. April 2009

Man müsste sein ganzes Leben lang Urlaub haben!

Als Eramus-Student ist ja man oft dem Vorurteil ausgesetzt, man würde nicht richtig studieren, sondern nur feiern und reisen. Naja. Manche Vorurteile haben seine Berechtigung. Zumindest was das Reisen betrifft. Die letzten zehn Tage verbrachte ich mit Bernd erst auf Gotland (Insel zwischen Schweden und dem Baltikum) und anschließend in Tallinn und Vilnius - größer hätte der Kontrast kaum sein können. Gotland ist wunderschön: ruhig, einsam, viel Natur, Meer, wundersame Felsen, viel Sonne und nur eine etwas größere Stadt - Visby mit offensichtlich sehr kleinen Einwohnern. Ansonsten endlose Weiten. Die nutzten wir für lange Fahrradtouren und zum "angrillen" am ganz nördlichsten Zipfel der Insel. Richtiges Thüringer Flair entstand bei Einweggrill und gefühlten -2°C zwar nicht, lecker war es trotzdem.
Nach vier Tagen ging es dann auf der Fähre weiter gen Osten. Tallinn stand zu erst auf dem Plan. Dem dortigen Schneesturm trotzten wir mit einer ausgedehnten Sauna-Tour. Die anschließenden Sonnenstunden ließen wir uns aber nicht entgehen und nahmen alle Sehenswürdigkeiten mit, die die Stadt zu bieten hat.
Viel beeindruckender fand ich aber Vilnius. Während Tallinns Altstadt auf einem Hügel recht abgekapselt liegt, ist der Vilniuser Stadtkern absolut bevölkert (das hier verlinkte Foto enstand Sonntag früh, da war noch keine Bevölkerung). Die Uni liegt mitten im Zentrum, was sehr studentisches Flair in die Stadt bringt. Das spürt man vor allem in dem Stadtteil Uzupis, der sich selbst vor zwölf Jahren zur (Spaß)Republik erklärt hat: mit eigenem Präsidenten (demokratisch gewählt), eigener Verfassung ("jeder hat das Recht einen Hund zu halten") und vor allem vielen jungen Leuten, Studenten und Künstlern.
Den Titel "Kulturhauptstadt Europas" hat sich Vilnius in diesem Jahr absolut verdient. Unbedingt hinfahren!

PS: Passend zum Kulturjahr haben sogar echte Größen ihre Spuren in Vilnius hinterlassen. Augen aufhalten lohnt sich.

"Wenn die Sonne lacht, nimm die Blende Acht" - Fotosafarie durch Stockholm

Mein Osterei kam in diesem Jahr aus der Luft. Mit dem Ryanairflieger aus Berlin, besser gesagt. Mein Vater und seine Freundin hatten sich für vier Tage angekündigt. Und da Karlstads Sehenswürdigkeiten nach etwa 2 Stunden erschöpft sind, entschieden wir uns diese Tage in Stockholm zu verbringen. Nach Herbst und Winter konnte ich so nun also auch den Frühling in der Hauptstadt miterleben.
Wie für jeden meiner Stockholmbesuche stand wieder ein dickes Programm auf dem Plan: Altstadt, Neustadt, Schifffahrt zu den Schäreninseln und Elche gucken. Neu und besonders wichtig dieses Mal: die Fotospots. Keine Aussichtsplattform, keine Gasse, kein öffentlicher Platz wurden ausgelassen um meine und meines Vaters Kamera zum Glühen zu bringen. Für mich war dabei viel Neues zu lernen. Tiefenschärfe und Iso beherrsche ich nun aus dem FF. Dann tat sich auch endlich die Gelegenheit zu einem langersehnten Fotomotiv auf.
Zum Ausgleich für den Fotokurs gabs von mir Nachhilfe in Sachen Styling.

Samstag, 4. April 2009

Eingeschnappte Leberwurst - Meine Mitbewohner Teil 1.1

Axel mag ich eigentlich wirklich gern. Im ersten Semester hatten wir ziemlich gute Gespräche und nette Küchensituationen. Axel ist, wie Johnnie auch, Fitnesstrainer. Allerdings ist er weder so ein Schrank, noch ist sein Ego so unendlich groß wie das von Johnnie. Gerade deshalb war er mir sympatisch. Einmal wöchentlich war ich sogar in seinem Sportkurs, was ziemlich lustig war. Seit einigen Wochen spricht Axel allerdings kein Wort mehr mit mir. Manchmal kann er sich ein "Hej" abmühen, was ihn aber offensichtlich viel Überwindung kostet. In seinem Sportkurs widmet er mir keinen Blick mehr und wenn, dann nur einen der verrät: "Du hast was sehr Böses gemacht!". Es dauerte einige Zeit, bis ich meinen unmöglichen Faux-Pas aufstöbern konnte.

Es ereignete sich folgendes: eines Mittags betrat ich die Küche, in voller Vorfreue auf Nudeln mit Tomatensoße. Allerdings waren sowohl mein Topf, als auch mein geliebtes Messer verschwunden. Auch durch eine intensive Suche konnte ich die Sachen nicht ausfindig machen und begnügte mich, leicht angesäuert, mit einem Butterbrot. Ich hinterließ obige Nachricht auf einem durch das Zufallsprinzip ausgewählten Kühlschrank. So kommuniziert man eben in Schweden - via Zettel oder Kühlschranknachricht. Darauf bekam ich keine Antwort. Als ich am nächsten Tag in die Küche kam, stand Axel am Waschbecken und wusch meinen Topf ab. Er sagte keinen Ton, also grinste ich nur und ging in mein Zimmer. Weder böse, noch sauer. Am nächsten Tag wollte ich die Nachricht entfernen und musste feststellen, dass ich dummerweise wasserfesten Lackstift verwendet hatte. Und noch dummererweise war der Kühlschrank Axels Kühlschrank. Axel scheint das als Affront zu werten. So, als würde ich ihm eins reinwürgen wollen, damit jeder auf ewig weiß, dass Axel ein Topfdieb ist.
Nun könnte ich die Situation ja richtig stellen. Nur weiß ich nicht, ob wirklich das das Problem ist/war. In Schweden redet man eben nicht über sowas. Sämtliche Einschleim- und Entschuldigungsversuche schlugen bisher fehl. Vielleicht schenke ich ihm einfach meine Küchenutensilien, wenn ich ausziehe....

P.S: Für alle, die es wundern sollte, warum ich Axel nicht Teil 4, sondern Teil 1.1 meiner Studie widme, hier die Erklärung. Maren hat festgestellt, dass, wenn man meinen Blog liest, man das Gefühl bekommen könnte, ich würde nur mit Freaks zusammen wohnen. Das stimmt. Allerdings wurden meine Fälle, angefangen mit Corrine über Johnnie bis zu Mustafa auch immer extremer in ihrer Freak-Ausprägung. Wäre Axel Teil 4 meiner Studie, hieße das, er sei noch wunderlicher als Mustafa. Dem ist nicht so. Ich würde ihn eher zwischen Corrine und Johnnie einordnen. Deswegen 1.1. Danke Maren!

P.P.S.: Ich weiß nun auch, dass knife mit "f" geschrieben wird.

Donnerstag, 2. April 2009

30 Sekunden "Lifetime opportunity"

Für meine Schwedisch-Lehrerin war es der große Tag. Seit Wochen erzählte sie uns voller Euphorie, dass der erste April ganz besonders werden würde. Sogar der Termin unserer mündlichen Prüfung musste verschoben werden, damit sie ja nicht die "lifetime opportunity" verpasst: König Gustav und Königin Sylvia an der Universität Karlstad.
Gestern war es soweit. 13:15 sollte das Paar eintreffen. Kurz vor eins standen wir am Eingang der Bibo, wo die beiden eintreffen sollten. Aber entgegen meiner Erwartungen war dort von königlicher Vorfreude noch nicht viel zu spüren. Ein paar Schweden saßen gelangweilt ein der Sonne, ein Polizist schaute ein bisschen hilflos durch die Gegend. Das einzige, was vermuten ließ, dass hier gleich etwas geschehen würde, war ein stark verstaubter roter Teppich vor dem Eingang. Fünf Minuten vor der Ankunf der Majestäten füllte sich der Platz ein wenig und drei weitere Polizisten trafen ein. Die begannen dann gemächtlich eine kleine Schnüre um den Teppich zu spannen und ein paar Fahrräder an den Rand zu stellen. Mehr nicht. Keine Scharfschützen, keine verriegelten Gullideckel, keine Eisenzäune.
Als dann eine Kolonne von vier Autos kam, wurde es allerdings doch ein wenig unruhiger. Gustav und Sylvia natürlich im Volvo, gefolgt von einem Audi. Als die beiden ausstiegen, knipsten ein paar Fotoapparate los. Jubel, Schreie und wilde Trommelwirbel blieben aber aus. Beide grinsten ein bisschen, winkten einmal und verschwanden in den Türen der Uni. Das war es also. Vier Wochen Aufregung für 30 Sekunden.
Meine Schwedischlehrerin hab ich leider danach nicht nochmal getroffen. Wahrscheinlich schwebt die im siebenten Himmel. Nächste "Lifetime opportunity": Victorias Hochzeit.

Montag, 30. März 2009

Ein Hauch von Urlaub

Nach zwei Prüfungs- und Hausarbeitswochen hatte ich ein bisschen Entspannung nötig. Einen Hauch von Urlaub holten sich Bernd und ich am Wochenende an der Westküste Schwedens, im Bohuslän. Die Schäreninseln und die von der Eiszeit geformte Küstenlandschaft sind Unesco Welterbe und das, wie ich nach diesem Wochenende befinde, auch völlig zu recht. Wir verbrachten den Sonntag auf der minikleinen Insel Marstrand. Die hat 1700 Einwohnern, wovon 50 Prozent nur im Sommer dort wohnen. Von den restlich 850 sah man fast niemanden, das Dorf war wie ausgestorben. Das eigentlich schöne ist aber auch nicht das Städtchen, sondern die Insel an sich. Auf einer kleinen Rundwanderung gelangt man bis ans offene Meer, eingenebelt vom Dunst des Frühlings. Die Hoffnung auf Letzteren hätte ich fast aufgegeben, bis ich in Göteborg das entdeckte und der Tag damit aufhörte. Es scheint, als würde er auch in Schweden existieren, der Frühling.

Warum Mustafa die Deutschen liebt - Meine Mitbewohner Teil 3

Seit zwei Wochen habe ich einen neuen Mitbewohner. Er ist geschätzte 55, geht mir etwa bis zum Kinn und hat einen kugelrunden Bauch. Letzte Woche hat er sich mir vorgestellt. Mustafa heißt er. Mustafa kommt aus dem Iran und ist Professor für Verpackungswissenschaften. In Karlstad ist er im Rahmen eines Gastdozenten-Auftrags und Forschungsaufenthaltes. Als er hörte, dass ich Deutsche bin, wollte er mich gleich zum Essen einladen - Spezialitäten aus seiner Heimat. Allerdings hatte ich keine Zeit und so folgte nur ein kurzes Gespräch, das allerdings eher ein Monolog Mustafas war. Er lief in etwa so (ich gebe nur wieder und enthalte mich jeglicher Kommentare bzw. Wertungen):
"You know what I admire about you Germans? It's your brain. The German Engeneering education is the best in the world. You wanna know why? Because you're genius. You have the cleverest minds, I've ever experienced. I am a big admirer of Adolf Hitler. If he was still alive, the world would be a better place. At least his ideas should be carried on. You should be proud on being German and make sure that his ideas will be realised one day."

Samstag, 21. März 2009

Oslo-Trip

Von Karlstad sind es nur zwei Stunden Busfahrt in die teuerste Stadt Europas im teuerste Land der Welt - nach Oslo. Da wurde es nach sieben Monaten hier langsam Zeit zu erkunden, ob die Stadt noch mehr zu bieten hat, als unverschämt hohe Preise. Am letzten Wochenende fuhren Bernd und ich für einen Tag nach Norwegen. Statt des erwarteten Sonnenscheins begleitete uns eine dicke Wolkendecke den ganzen Tag, was der Stadt aber nichts nehmen konnte. Oslo hat ungefähr 500 000 Einwohner und wirkt zugegebenermaßen nicht wie eine Weltmetropole, aber eben auch nicht wie ein Provinzörtchen. 12 Stunden sind lange nicht genug, um alles zu sehen, was der Stadt ihren Charme gibt. Trotzdem nahmen wir soviel mit wie möglich: die Oper, die Angela Merkel im letzten Jahr zu dem aufsehenerregenden Dekolltée bewegte, den Königspalast, Festung, Altstadt, Hafenstadt, Herrn Alfred Nobel und dem Vigelandspark, der meiner Meinung nach das Highlight der Stadt ist. Fazit: Preise unverschämt (der billigste Tetra-Pak Kopfschmerz-Wein 9 Euro, ein Straßenbahnticket in der Bahn: 4 Euro), Stadt trotzdem schön, sollte man unbedingt nochmal im Sommer hin, an Samstag Abenden nicht unbedingt reich bevölkert.

P.S.: Für Verwirrung sorgte dieses Plakat.Es stellte sich aber heraus, dass "gay" auch "bunt" heißen kann. Wieder etwas gelernt.

Samstag, 7. März 2009

Was muss, das muss

Eigentlich wollte ich es nicht. Keine Klischeebestätigung. Kein Rumreiten auf vermeintlichen Halbwahrheiten. Aber heute muss es sein.
Es heißt ja oft: die Schweden, die trinken doch so viel. Und auch wenn die Statistik was anderes behauptet, ich muss sagen: oh ja, das stimmt. Erst gestern durfte ich wieder Zeuge werde. Hautnah sogar.

Es war im Nachtbus auf dem Nachhauseweg. Der Bus voll mit jungen Leuten, leichtbekleidet und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne. Wahrscheinlich war ich der einzig nüchterne Mitfahrer an Bord. Ich setze mich also auf einen Klappsitz, dahin, wo sonst Platz für Kinderwagen ist. Direkt über/hinter mir höre ich es schmatzen: ein betrunkenes Pärchen, dabei sich gegenseitig aufzuessen. Also stecke ich mir die Stöpsel meines mp3 Players in die Ohren und wünsche mich in mein Bett. Wenige Sekunden später nehme ich einen beißend-säuerlichen Geruch wahr und konstatiere: jemand hat sich seines Überschusses an Alkohol entledigt. Oral, dem Geruch zufolge. Ich blicke suchend herum, aber alles was ich sehen kann sind mitleid-geschwängerte Blicke der anderen Mitfahrer in meine Richtung. Was wollen die denn? Ich habe nicht gekotzt, denke ich. Der Geruch wird stärker und ich vernehme langsam eine warme, breiige Sustanz meinen Rücken runterkriechen. Bingo! Dem Mädel des sympatischen Paares über mir ging es anscheinend nicht gut. Und da kotzt man doch lieber seiner Mitfahrerin auf und in Jacke und Kapuze als in eine Tüte oder den Mülleimer. Meine grenzenlose Wut konnte ich leider nicht an der jungen Dame auslassen, da die ob ihrer Trunkenheit nicht mehr ansprechbar war.
Das Ende der Prozedur: ich hatte noch eine halbe Stunde Fahrt vor mir, in der ich permanent gegen meinen eigenen Brechreiz (ausgelöst durch den Geruch und die Tatsache des Vollgebrochen seins, nicht durch Alkoholkonsum!) kämpfen musste. Zuhause angekommen wurde die Jacke gründlich gewaschen, auf den Balkon verbannt und gleich die Waschmaschine für heute Nachmittag geblockt.
Nach geschätzten zehn Litern Weichspüler und einem 40°C Waschgang riecht sie nun wieder nach "Blütenduft" à la Lenor. Mein Bad hingegen hat immer noch etwas von dem beißenden Geruch aus dem Bus.
Soviel zum Thema Klischeebestätigung.

PS: Um mich dem Vorwurf der einseitigen Darstellung zu verwahren: Selbst in einer meiner letzten Vorlesungen fiel die Behauptung (von einem Schweden wohlgemerkt!), Schweden werde oft mit den vier großen S assoziiert: suicide, sex, socialdemocraty und spirit (=Hochprotzentiges).
Laut Statistik trinken die Schweden nur halb so viel Alkohol (nämlich 5,62 Liter reinen Alkohol pro Jahr und Kopf) wie die Deutschen (10,71 l). Aber entweder nimmt die Menge hier mit steigendem Alter exponentiell ab, so dass die Jugend den Großteil konsumiert, sich die Gesamtsumme dann aber auf die komplette Bevölkerung umlegt oder die 5,62 Liter werden auf einmal konsumiert und dann wieder ein Jahr lang nicht. Ich werde es rausfinden.
Mehr Infos hier: http://data.euro.who.int/alcohol/Default.aspx?TabID=4936

Mittwoch, 4. März 2009

Billie und Visionen in Stockholm

Heimatbesuch ist was schönes. In (fast vollständiger) alter Leipzig Besetzung erkundeten Claudia, Franziska und ich am Wochenende alte und neue Ecken der schwedischen Hauptstadt. Diesmal mit Schnee und Eis, was aber durchaus auch was für sich hat. Im 17-Menschen (um der schwedischen gender equality gerecht zu werden) Bett Zimmer schlief es sich besser als angenommen. Claudia brachte aus Deutschland eine große Protion Ruhe mit, so dass wir uns drei stressfreie Tage machen konnten. Wie immer auf dem Plan: Gamla Stan und Södermalm. Diesmal neu für mich: Museen satt. Bei abendlicher Kultur musste ich leider erkennen, dass sowohl meine Seh- als auch Erinnerungsvermögen zu Wünschen übrig lassen, meine Überzeugungskraf dafür aber nach wie vor ungeschlagen ist - sehr zur Belustigung der beiden anderen.

Sonntag, 22. Februar 2009

Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln

... war nicht mein, sondern Josefs Kommentar zu Maren, die es tatsächlich geschafft hat, durch 40cm dickes Eis eine "rainbow trout" (RegenbogenFORELLE) zu angeln. Es muss der pure Neid gewesen sein, der diesen Kommentar hervorgebracht hat. Schließlich wurde später noch lang und kontrovers über die Zubereitung eines solchen Fisches debatiert (Pfanne vs. "Rohr").
Ich blieb jedoch recht erfolglos beim Ice-Fishing. Außer eines Minifisches zog ich nicht viel aus dem Wasser. Und selbst den warf ich aus Barmherzigkeit wieder durch das Loch im Eis zurück in die Finsternis des Sees. Da war ich aber nicht die Einzige. Weder Fruchtbarkeitstänze noch bittende bzw. wütende Lockrufe brachten die Angeln zum zappeln. Ist aber auch nicht weiter schlimm, meine Begeisterung für Essen was aus dem Wasser kommt hält sich eh in Grenzen. Dafür hatten wir viel Spaß mitten auf einem tiefverschneiten See in der Nähe von Forshaga.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Wohin muss der Schnupftabak nochmal???

Es gibt Abende die man nicht vergessen, aber auch nicht weiter kommentieren will....

Donnerstag, 12. Februar 2009

Karla Kolumna is back in office

Nachdem ich meine investigativen Triebe im letzten Semester zumindest im "professionellen Sinne" sehr vernachlässigt habe, habe ich mich jetzt endlich in die Redaktion der hiesigen Studentenzeitung eingefuchs. Ab sofort gibt es auf deren Webseite einmal wöchentlich einen Blog von mir zu lesen und zusätzlich in jeder Ausgabe (erscheint einmal monatlich) eine Kolumne. Den Anfang habe ich heute gemacht mit dem "Honeymoon in Karlstad".

Dienstag, 10. Februar 2009

"Wir sind ja schließlich auch zum Spaß hier..."

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein von der ersten bis zur letzten Sekunde der Helligkeit und glitzernder Neuschnee - davon sah man in den letzten Wochen nicht viel in Karlstad. Aber heute war der große Tag des Winterwonderlands. Einer, an dem ich wieder wusste, warum ich Winter so mag, warum mir auch manchmal -12°C egal sind und warum es sich lohnt, alles stehen und liegen zu lassen um nasse Füße zu bekommen. Das Erste was in Schweden passiert, wenn die Sonne auch nur einen einzigen dünnen Strahl hinter den Wolken hervorschiebt, ist: ROLLÄDEN RUNTER! Man könnte geblendet und vom Arbeiten abgehalten werden. So saß ich in einer völlig verdüsterten Unibibliothek während hinter den schweren vollelektronischen Sonnenverdeckern das schönste Winterwetter wartete. In Maren und Josef fand ich zwei Leidensgenossen, die auch nicht gewillt waren den ersten richtigen Sonnentag des Jahres verstreifen zu lassen. Den Nachmittag verbrachten wir um und auf dem Alsternsee, der komplett zugefroren und nur von einigen Skispuren überdeckt ist. Das nennt ich "praxisorientiertes Lernen".

Samstag, 31. Januar 2009

Der Verstopfung den Kampf angesagt


Offensichtlich scheint es in Karlstad ein bisschen Verwirrung über die korrekte Handhabung von Toiletten zu geben. Um allen Unwissenden dabei helfend zur Seite zu stehen, hat man keine Kosten und Mühen gescheut, die komplette Innenstadt mit diesen beiden selbst Analphabeten und Ausländern verständlichen Plakaten zu tapezieren. Auch das gehört hier zum Sozialstaat. ("Inte Bra" = Nicht gut, "Tänk på vad du spolar ner" = Denk drüber nach, was du runterspülst)




Mittwoch, 21. Januar 2009

Harte Schale, weicher Kern - mein Mitbewohner Johnnie, Teil 2 der Mitbewohnerstudie

Johnnie ist Schwede. Allerdings ein ziemlich außergewöhnlicher. Denn Johnnie ist - im Gegensatz zu vielen seiner Landsmänner - äußerst mitteilungsbedürftig. Besonders gern diskutiert er sein Genie und sein gutes Aussehen. Johnnie ist nämlich Fitnesstrainer. Geschätzte 1,90m, Waschbrettbauch, dickere Arme als ich Oberschenkel habe und ein Stiernäckchen gehören zu den Errungenschaften seines harten Trainings. Da das Resultat seiner überaus beeindruckenden sportlichen Leistungen leicht unterschätzt werden könnten, trägt er im Wohnheim stets Shorts. NUR SHORTS. Bei diesen Temperaturen könnte im Ausnahmefall mal ein Unterhemd dazukommen, allerdings nur eines, das seine stahlharten Muskeln abzeichnet.
Wer soviel Sport treibt, braucht viel Energie. Das ist sein zweites Lieblingsthema: ESSEN. Johnnie verbrennt viermal so viele Kalorien wie ein durchschnittlicher Mensch am Tag. Deswegen hat er einen eigenen Kühlschrank. Ebenfalls 1,90 Meter hoch, stets gut gefüllt, gepflastert mit "Hände weg"-Aufklebern und nur für Johnnie. Daneben stehen seine beiden eigenen Kühltruhen. Wenn es in der Küche rumpelt, kann man davon ausgehen, dass Johnnie wieder einmal kocht. Das macht er etwa vier bis fünf Mal am Tag. Eben immer dann, wenn er nicht gerade Gewichte stämmt oder trinkt.
Denn das ist seine drittliebste Beschäftigung, die mit seiner viertliebsten - den Frauen - einhergeht. Wer so unglaublich gut aussieht wie Johnnie, hat natürlich kein Problem Frauen aufzureißen. Wenn man davon nicht durch Zufall selbst Zeuge wird, lässt Johnnie einen das spätestens am Morgen "danach" wissen, inklusive aller Details. Meistens erinnert er sich allerdings nicht so sehr an die Details der Frauen, aber das sind auch nur die unwichtigen, wie Name, Alter oder Telefonnummer.
Und sollten all diese Themen ausgereizt sein, bleibt immer noch Johnnies Genie. Er hat nämlich ein photographisches Gedächtnis, das er sich selbst "antrainiert" hat. Johnnie kann das. Er lernt nie, er geht nie zur Uni. Er braucht alles nur einmal überfliegen und schwupp ist es in seinem Hirn. Übrigens wird er Lehrer. Für Sport und Schwedisch. Natürlich.

Manchmal wird aus dem harten Kerl aber auch ein ganz weicher, verletzlicher kleiner Junge. Dann stellt Johnnie seine Boxen auf den Flur (damit er auch beim Kochen Musik hat) und dreht voll auf: Mariah Carey, Whitney Houston und Celine Dion. Das geht selbst dem härtesten Mann ans Herz.

Johnnie ist toll.

Herzlicher Empfang

Groß, blond, blauäugig - so sehen dem gängigen Klisché zufolge die Schweden aus. Stimmt teilweise. Laut meinem "Aspects of Sweden" Prof leben hier die meisten blonden Menschen der Welt. Und das sollte auch so bleiben, wünscht sich zumindest die Organisation "Schwedische Jugend". Seit Sommer schon kleben in Uninähe kleine nette Sticker auf denen steht: "Kulturelle Vielfalt? Nein Danke! Wir haben unsere eigene!" Illustriert ist das mit netten blonden Schwedinnen, die ihre Flagge schwingen. Seit einer Woche klebt dieser Aufkleber nun auch groß und für jeden sichtbar an der Bushaltestelle am Wohnheim.
Ähnliche Jugendvereinigungen kennt man ja auch bei uns aus früheren Zeiten. Nicht, dass ich die hiesige mit der Deutschen mit den beiden großen Buchstaben vergleichen will. Aber als Ausländer fühlt man sich doch gleich herzlich willkommen, wenn man vor solchen Sprüchen steht.
Mehr Informationen gibt es auf der angegebenen Webseite. Nur auf Schwedisch natürlich. Sprache ist ja auch Kultur.

Montag, 19. Januar 2009

Das Jahreshoroskop der Bleiblume

Der guten alten Tradition folgend, habe ich am 01.Januar im heimatlichen Leipzig mit Steffi, Judith und Melanie Blei gegossen. Der graue See auf meinem Löffeln, den ich unter großem Zischen in die Wasserschale goss, verwandelte sich laut Melanies Deutung "eindeutig in eine Blumenvase". Und Blumen stehen laut Verpackung "eindeutig für neue Freunde". Neues Semester, neue Freunde - passt ja wie die Faust aufs Auge. Bevor es zu all den Neuigkeiten geht, sind aber erstmal die alten Probleme zu beheben: eine nicht funktionierende Heizung, undichte Fenster und eine Außen- (und gefühlte Innen-)temperatur von -5°C. Dem habe ich nun eine dicke Erkältung zu verdanken, inklusive verlorenem Geschmackssinn. Das mit den neuen Freunden muss wohl noch ein bisschen warten.

Sonntag, 18. Januar 2009

Meer gegen den Kulturschock

Nach fast drei Wochen Erfurt und Leipzig schnürte ich Anfang Januar wieder meine sieben Sachen (die nach der Ausmistung meines Leipziger Kleiderschranks ins Unermessliche gewachsen waren) und fuhr mit Bahn und Bus zurück nach Schweden. Highlights der Reise: mit dem ICE in die Fähre und nach Dänemark übergesetzt und im Bus über die Brücke von Kopenhagen nach Malmö. Um den immensen Kulturschock von mittlerer Großstadt (à la Leipzig und Erfurt) auf minimalistische Kleinstad (à la Karlstad) etwas abzumildern, blieb ich die ersten vier Tage bei Bernd in Göteborg. Schön ists da. Wirklich sehr schön. Besonders angetan bin ich von den Schäreninseln. Auf der größten - Styrsön - verbrachten wir den einzigen Sonnentag der Woche. Man hätte glatt denken können, es ist Oktober. Trotzdem: Meer ist immer wieder toll.