Donnerstag, 23. April 2009

Man müsste sein ganzes Leben lang Urlaub haben!

Als Eramus-Student ist ja man oft dem Vorurteil ausgesetzt, man würde nicht richtig studieren, sondern nur feiern und reisen. Naja. Manche Vorurteile haben seine Berechtigung. Zumindest was das Reisen betrifft. Die letzten zehn Tage verbrachte ich mit Bernd erst auf Gotland (Insel zwischen Schweden und dem Baltikum) und anschließend in Tallinn und Vilnius - größer hätte der Kontrast kaum sein können. Gotland ist wunderschön: ruhig, einsam, viel Natur, Meer, wundersame Felsen, viel Sonne und nur eine etwas größere Stadt - Visby mit offensichtlich sehr kleinen Einwohnern. Ansonsten endlose Weiten. Die nutzten wir für lange Fahrradtouren und zum "angrillen" am ganz nördlichsten Zipfel der Insel. Richtiges Thüringer Flair entstand bei Einweggrill und gefühlten -2°C zwar nicht, lecker war es trotzdem.
Nach vier Tagen ging es dann auf der Fähre weiter gen Osten. Tallinn stand zu erst auf dem Plan. Dem dortigen Schneesturm trotzten wir mit einer ausgedehnten Sauna-Tour. Die anschließenden Sonnenstunden ließen wir uns aber nicht entgehen und nahmen alle Sehenswürdigkeiten mit, die die Stadt zu bieten hat.
Viel beeindruckender fand ich aber Vilnius. Während Tallinns Altstadt auf einem Hügel recht abgekapselt liegt, ist der Vilniuser Stadtkern absolut bevölkert (das hier verlinkte Foto enstand Sonntag früh, da war noch keine Bevölkerung). Die Uni liegt mitten im Zentrum, was sehr studentisches Flair in die Stadt bringt. Das spürt man vor allem in dem Stadtteil Uzupis, der sich selbst vor zwölf Jahren zur (Spaß)Republik erklärt hat: mit eigenem Präsidenten (demokratisch gewählt), eigener Verfassung ("jeder hat das Recht einen Hund zu halten") und vor allem vielen jungen Leuten, Studenten und Künstlern.
Den Titel "Kulturhauptstadt Europas" hat sich Vilnius in diesem Jahr absolut verdient. Unbedingt hinfahren!

PS: Passend zum Kulturjahr haben sogar echte Größen ihre Spuren in Vilnius hinterlassen. Augen aufhalten lohnt sich.

"Wenn die Sonne lacht, nimm die Blende Acht" - Fotosafarie durch Stockholm

Mein Osterei kam in diesem Jahr aus der Luft. Mit dem Ryanairflieger aus Berlin, besser gesagt. Mein Vater und seine Freundin hatten sich für vier Tage angekündigt. Und da Karlstads Sehenswürdigkeiten nach etwa 2 Stunden erschöpft sind, entschieden wir uns diese Tage in Stockholm zu verbringen. Nach Herbst und Winter konnte ich so nun also auch den Frühling in der Hauptstadt miterleben.
Wie für jeden meiner Stockholmbesuche stand wieder ein dickes Programm auf dem Plan: Altstadt, Neustadt, Schifffahrt zu den Schäreninseln und Elche gucken. Neu und besonders wichtig dieses Mal: die Fotospots. Keine Aussichtsplattform, keine Gasse, kein öffentlicher Platz wurden ausgelassen um meine und meines Vaters Kamera zum Glühen zu bringen. Für mich war dabei viel Neues zu lernen. Tiefenschärfe und Iso beherrsche ich nun aus dem FF. Dann tat sich auch endlich die Gelegenheit zu einem langersehnten Fotomotiv auf.
Zum Ausgleich für den Fotokurs gabs von mir Nachhilfe in Sachen Styling.

Samstag, 4. April 2009

Eingeschnappte Leberwurst - Meine Mitbewohner Teil 1.1

Axel mag ich eigentlich wirklich gern. Im ersten Semester hatten wir ziemlich gute Gespräche und nette Küchensituationen. Axel ist, wie Johnnie auch, Fitnesstrainer. Allerdings ist er weder so ein Schrank, noch ist sein Ego so unendlich groß wie das von Johnnie. Gerade deshalb war er mir sympatisch. Einmal wöchentlich war ich sogar in seinem Sportkurs, was ziemlich lustig war. Seit einigen Wochen spricht Axel allerdings kein Wort mehr mit mir. Manchmal kann er sich ein "Hej" abmühen, was ihn aber offensichtlich viel Überwindung kostet. In seinem Sportkurs widmet er mir keinen Blick mehr und wenn, dann nur einen der verrät: "Du hast was sehr Böses gemacht!". Es dauerte einige Zeit, bis ich meinen unmöglichen Faux-Pas aufstöbern konnte.

Es ereignete sich folgendes: eines Mittags betrat ich die Küche, in voller Vorfreue auf Nudeln mit Tomatensoße. Allerdings waren sowohl mein Topf, als auch mein geliebtes Messer verschwunden. Auch durch eine intensive Suche konnte ich die Sachen nicht ausfindig machen und begnügte mich, leicht angesäuert, mit einem Butterbrot. Ich hinterließ obige Nachricht auf einem durch das Zufallsprinzip ausgewählten Kühlschrank. So kommuniziert man eben in Schweden - via Zettel oder Kühlschranknachricht. Darauf bekam ich keine Antwort. Als ich am nächsten Tag in die Küche kam, stand Axel am Waschbecken und wusch meinen Topf ab. Er sagte keinen Ton, also grinste ich nur und ging in mein Zimmer. Weder böse, noch sauer. Am nächsten Tag wollte ich die Nachricht entfernen und musste feststellen, dass ich dummerweise wasserfesten Lackstift verwendet hatte. Und noch dummererweise war der Kühlschrank Axels Kühlschrank. Axel scheint das als Affront zu werten. So, als würde ich ihm eins reinwürgen wollen, damit jeder auf ewig weiß, dass Axel ein Topfdieb ist.
Nun könnte ich die Situation ja richtig stellen. Nur weiß ich nicht, ob wirklich das das Problem ist/war. In Schweden redet man eben nicht über sowas. Sämtliche Einschleim- und Entschuldigungsversuche schlugen bisher fehl. Vielleicht schenke ich ihm einfach meine Küchenutensilien, wenn ich ausziehe....

P.S: Für alle, die es wundern sollte, warum ich Axel nicht Teil 4, sondern Teil 1.1 meiner Studie widme, hier die Erklärung. Maren hat festgestellt, dass, wenn man meinen Blog liest, man das Gefühl bekommen könnte, ich würde nur mit Freaks zusammen wohnen. Das stimmt. Allerdings wurden meine Fälle, angefangen mit Corrine über Johnnie bis zu Mustafa auch immer extremer in ihrer Freak-Ausprägung. Wäre Axel Teil 4 meiner Studie, hieße das, er sei noch wunderlicher als Mustafa. Dem ist nicht so. Ich würde ihn eher zwischen Corrine und Johnnie einordnen. Deswegen 1.1. Danke Maren!

P.P.S.: Ich weiß nun auch, dass knife mit "f" geschrieben wird.

Donnerstag, 2. April 2009

30 Sekunden "Lifetime opportunity"

Für meine Schwedisch-Lehrerin war es der große Tag. Seit Wochen erzählte sie uns voller Euphorie, dass der erste April ganz besonders werden würde. Sogar der Termin unserer mündlichen Prüfung musste verschoben werden, damit sie ja nicht die "lifetime opportunity" verpasst: König Gustav und Königin Sylvia an der Universität Karlstad.
Gestern war es soweit. 13:15 sollte das Paar eintreffen. Kurz vor eins standen wir am Eingang der Bibo, wo die beiden eintreffen sollten. Aber entgegen meiner Erwartungen war dort von königlicher Vorfreude noch nicht viel zu spüren. Ein paar Schweden saßen gelangweilt ein der Sonne, ein Polizist schaute ein bisschen hilflos durch die Gegend. Das einzige, was vermuten ließ, dass hier gleich etwas geschehen würde, war ein stark verstaubter roter Teppich vor dem Eingang. Fünf Minuten vor der Ankunf der Majestäten füllte sich der Platz ein wenig und drei weitere Polizisten trafen ein. Die begannen dann gemächtlich eine kleine Schnüre um den Teppich zu spannen und ein paar Fahrräder an den Rand zu stellen. Mehr nicht. Keine Scharfschützen, keine verriegelten Gullideckel, keine Eisenzäune.
Als dann eine Kolonne von vier Autos kam, wurde es allerdings doch ein wenig unruhiger. Gustav und Sylvia natürlich im Volvo, gefolgt von einem Audi. Als die beiden ausstiegen, knipsten ein paar Fotoapparate los. Jubel, Schreie und wilde Trommelwirbel blieben aber aus. Beide grinsten ein bisschen, winkten einmal und verschwanden in den Türen der Uni. Das war es also. Vier Wochen Aufregung für 30 Sekunden.
Meine Schwedischlehrerin hab ich leider danach nicht nochmal getroffen. Wahrscheinlich schwebt die im siebenten Himmel. Nächste "Lifetime opportunity": Victorias Hochzeit.