Montag, 29. September 2008

When America meets Europe

Meine Nachbarin Corrine (Foto: Mitte) ist wirklich eine bezaubernde Person: unterhaltsam, freundlich und immer für einen Spaß zu haben. Sie lebt zusammen mit ihrer Familie und zwöf Pferden auf einer Farm in Ohio und studiert telecommunication. Europa findet sie spitze aber einige der hiesigen Gepflogenheiten kann sie einfach nicht verstehen.
Was Corrine hier merkwürdig findet:
1. Europäer nehmem u.a. Mahlzeiten ohne Fleisch zu sich. Corrine isst selbiges an manchen Tagen ausschließlich. (Atkins lässt grüßen)
2. Wenn Europäer abends weggehen, tun sie das um Spaß zu haben oder gar zu tanzen. Ob der Abend gut war, hängt dann von der Musik und der Stimmung ab. Wenn Amerikaner weggehen, tun sie das, um sich jemandem vom anderen Geschlecht zu krallen. Ob der Abend gut war, hängt vom Erfolg der Suche ab.
3. Europäer ziehen tagsüber die Vorhänge vorm Fenster auf. Warum? Sonnenlicht kann man doch prima mit Lampen ersetzen.
4. Europäer haben manchmal verfärbte oder schiefe Zähne. In Amerika gibt es nichts wichtigeres als ein makelloses Gebiss.
.... Fortsetzung folgt.

Samstag, 27. September 2008

Aufbruch in totgeglaubte Gefilde: Die musikalische Mondlandung

Als musikalische "Kompetenzzentrale" (Zitat Herr Bader) bin ich natürlich stetig auf der Suche nach guter Musik. Man sollte ja denken, Schweden sei dafür das Eldorado. Aber: Ernüchterung. Man bekommt den Eindruck, dass die einzigen Schweden, die Scooter, Mariah Carey und vor allem das überall laufende I kissed a girl by Kate Perry nicht als gute Musik empfinden, nur die sind, die sich gar nicht für Musik interessieren. Wo sind die ganzen Hives, Jenny Wilsons, Mando Diaos, Lykke Lis, Those Dancing Days, Mary Onettes und Love is alls? Ich hatte sie verloren geglaubt, doch dann brach Licht in das Dunkel der furchtbaren Klänge: ich traf tatsächlich einen Schweden, der was von guter Musik versteht und letztere vor allem auch noch selbst produziert. Die Entdeckung eines unerforschten Gebietes: So muss sich Armstrong gefühlt haben, als er den Mond betrat. Seither bin ich verliebt, in diesen - Herr Faber würde es abwertend, Herr Winkler anerkennend - "Muschipop" - nennen. Ganz tolle Neuentdeckung: A dilemma. Elektronische Mädchenmusik mit witzigen Texten wie "It's boring here, I need to drink more". Und das Beste: gibt's alles kostenlos beim Netlabel polkanetwork. Das entschädigt mich und stellt mein positives Bild vom Musik-Schweden wieder her.
Anerkennung, Lob oder Kritik leite ich gern an den jungen Herren weiter.

Mittwoch, 24. September 2008

Optimales Ressourcenmanagement

Hausarbeiten schreiben ist leider auch auf Englisch nicht spaßiger, als man das aus Deutschland gewohnt ist. Im Gegenteil: ein Vergleich des deutschen und schwedischen Wohlfahrtsstaates und noch ein Vergleich der Entstehung der deutschen und der schwedischen Demokratie können ganz schön langweilig sein, wenn draußen die Sonne scheint und die Vögel zwitschern. Da helfen nur die altbewährten Ablenkungsmethoden, die man sich im langen Studentenleben mühselig angeeignet hat (funktioniert nur zu Hause, ungeeignet für die Albertina): Mails checken, aufräumen, telefonieren, Kühlschrank, Mails checken, achso naja, einkaufen müsste man auch mal wieder und Mails wurden auch schon lange nicht mehr gecheckt. Aber in der Erasmus-Zeit kommt zu diesen Manövern ein neues hinzu, was viiiel Zeit braucht und richtig Freude in den Tag bringt: die Reiseplanung. Nicht, dass man als Auslandsstudent nichts zu tun oder zu viel Geld hätte. Aber da ist eben dieser Gedanke im Hinterkopf, den einem viele Menschen eingetrichtert haben: "Diese Zeit kommt nie wieder. Das musst du ausnutzen".
Ich würde sagen: ich nutze meine Ressourcen optimal.

Sonntag, 21. September 2008

Und es gibt sie doch...

... die Sonne in Karlstad. Dafür verantwortlich ist schließlich "Sola", eine Deutsche, die vor vielen Jahren die Sonne nach Karlstad gebracht hat. Deswegen hat Karlstad auch - ohne Witz - die meisten Sonnenstunden in Schweden. Von denen gab es heute eine ganze Menge. Deswegen haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind in Mariebergskogen gefahren, einen großen Park im Süden der Stadt. Es wurde der perfekte Sonntagnachmittag mit "Zoo", Spiegelspielen und Kaffee am See. Und das alles bei T-Shirt Temperaturen und Sonnenschein.

Donnerstag, 18. September 2008

Bad taste Party

Aufgabe: Jeder zieht sich so furchtbar an wie er kann und kommt so hässlich wies nur geht. Maren und Anne schneiden also drei Löcher in große schwarze Müllsäcke, basteln sich aus Letztern noch witzige Hüte und sind der Knaller der Party. Musik ist so bad taste, dass sie schon wieder großartig ist: Blümchen (ich raste total aus), Matthias Reim, Spice Girls und die Backstreet Boys. "Rythm is a dancer" - Ich will zurück in die 90er!

Montag, 15. September 2008

Sport und Aggression

Gute Vorsätze sind ja normalerweise dem neuen Jahr vorbehalten. Da ich aber die Erasmuszeit als neu betrachte, ging mit ihr der Vorsatz neuer sportlicher Aktivität einher. Man soll ja, neben dem kontinuierlichen Joggen, auch immer mal was anderes probieren. Deswegen besorgte ich mir hier frohen Mutes eine "Fitnesscard", mit der ich schon diverse Male angegeben habe. Zum Einsatz kam sie erstmalig heute, nach zwei Schnupperstunden vor zwei Wochen. Auf dem Plan stand: Powerstep plus. Das Plus steht dabei für: plus Zeit, plus Anstrengung, plus Trainingseffekt. Spitze, 90 Minuten Stepaerobic sind quasi ein Klacks, wenn man so eine absolute Sportskanone ist, wie Meiner Einer. Dachte ich. Die Einsicht, dass Joggen eben nicht gleich Powerstep plus ist, kam nach 10 Minuten.
Denn was dieser Kurs verlangt, ist eine koordinatorisch, sportliche Meisterleistung. Mit einer Mischung aus Army-Drill- und lieblicher Kleinmädchen Stimme animiert "Caroline" vor einem riesigen Spiegel, in dem sich jeder beobachten kann, ob auch ja jede Zelle volle Körperspannung besitzt, mithüpft, rennt und die Arme hebt: "Seit ihr bereit? Ich kann euch nicht hören? Seit ihr bereit? Yeah, then let's start: hoch auf das Stepteil, wieder runter, erst links, dann rechts, und jetzt andersrum, und drehen dabei und jetzt noch die Arme, yeah." Der Blick in den Spiegel verrät netterweise: "Du machst dich total lächerlich." Nebenbei läuft eine nette Technovariante von "If you're going to San Francisco". Ich wusste nicht, dass Scott McKenzie schon mit elektronischen Beats vertraut war.
Im Takt werden die Hände dazu geklatscht. Über dem Kopf versteht sich. Für den Trizepts. Das alles mit einem Lächeln und einer Energie, die meiner Meinung nach nur chemisch hergestellt werden kann. Zwischenzeitlich fragte ich mich, ob diese Frau verbotene Substanzen in ihren Nudeln hatte. Wenn, dann brauche ich die für die nächste Trainingseinheit, die schon Mittwoch ist. Erstaunlich, was man für Aggressionen während so eines Kurses aufbauen kann. Soll Sport Letztere nicht eigentlich abbauen?
Als dann nach 80 Minuten endlich Entspannung und Dehnen angesagt ist, frage ich mich, ob man Menschen vielleicht danach einteilen kann, was für Sporttypen sie sind. Wenn dann bin ich, glaube ich, eher so der "Draußen-Sportler"...

Donnerstag, 11. September 2008

Anne goes wild

...zumindest für vier Tage. Auf dem Programm stand wieder eine Exkursion mit dem Environmental-Professor rund um den Vännernsee.
So ging die Fahrt am Montag gen Westseite des "Binnenozeans", wie der See hier genannt wurde. Darüber musste ich ja immer ein bisschen schmunzeln, es sollte sich jedoch zeigen, dass der See wirklich eine ganz beachtliche Größe hat. Wenn man nämlich, so wie wir am Dienstag, auf einem Hausboot bei einer Insel mitten im See schläft, ohne Land am Horizont zu sehen, merkt man: Binnenozeane können ganz schön weitläufig sein. Aber seit dieser Nacht kann ich verstehen, was die Kellyfamily immer an ihrem Hausboot fand. Abgesehen davon war der Zeitplan straff: viel Natur, Vorlesung im Freien, Wanderungen und Bootfahrten. Wichtig zu erwähnen an dieser Stelle: die Schweden sind unglaublich stolz auf ihre 3,7 Schleusen in den Kanälen, die vom Vännern wegführen. Von denen haben wir gleich ein halbes Dutzend mitgenommen. Mein persönliches Highlight war allerdings wesentlich kleiner und weiß bzw rot. Es gab Fisch und Krabben - 3 Mal! Und da hatte man keine andere Chance als Augen zu und durch! So aß man also Seegetier und ist immer noch erstaunt, dass Letzteres weder Brechreiz noch Atemnot ausgelöst hat.
Am Ende wurde aber doch noch alles gut: Ich fand das Paradies und bekam sogar Colorado zu Gesicht.
PS: An dieser Stelle der erwünschte Gruß an Herrn Schmidt. Dein Mitbringsel ist braun und haarig - so wie auf diesem Foto - und steht bei mir in der Dusche. Kannste dir gern abholen, aber nur wenn du die nicht schlachtest. Ich empfehle: ins Bad oder in den Hof stellen!

Sonntag, 7. September 2008

Eine weise Frau sprach...

... gestern am Telefon: "Meistens sind die Partys, auf die man sich seit Langem freut ein totaler Flop. Und die, auf die man nur geht, weil man nichts besseres vorhat, gerade die werden richtig gut. " Recht hat sie!

Mittwoch, 3. September 2008

Lektion 2: Der Biobauernhof

Ich bin jetzt der absolute Bio-, Bauernhof-, Kuh- und Geologiecrack. Zu verdanken habe ich das meinem Professor für Nordic Environmental Studies. Der hat uns heute auf seine Biofarm eingeladen und uns zugeschüttet mit jeglichen Informationen, die auch nur im Entferntesten etwas mit dem Thema des Kurses zu tun haben. Die drei wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammengefasst:1. Das Bauernleben ist anscheinend gar nicht so öde wie gedacht, 2. Bauernhof heißt nicht unbedingt Fliegen und Gestank, 3. Kühe sind eine Wissenschaft für sich. Deswegen an dieser Stelle ein kleines Update in Sachen Kuh, für alle zukünftigen Biobauern unter der treuen Leserschaft: Wer viel gute Milch mit hohem Fettgehalt will (gut für Käse und Joghurt!), der lege sich Jerseys zu. Die sind klein und "leicht", deswegen leider keine guten Fleischgeber. Dafür aber eben exzellente Milch. Wer viel Fleisch, dafür aber weniger Milch will, dem seien Highlands ans Herz gelegt. Die sind spitze: wetterresistent, können bis -30 Grad aushalten und sehen dazu auch noch fetzig aus.

Dienstag, 2. September 2008

Anne ist krank


...was kein Wunder ist, bei diesem komischen wetterähnlichen Zustand von gestern mal 12 Grad und Regen und heute Sonnenschein und 23 Grad.
Naja, aber frische (See)Luft hilft und verjagt den Schnupfen.