
Während Obama den Change nach Amerika brachte, saß ich mit Bernd und 92 anderen Studenten im Bus auf dem Weg in die andere (Ex)-Großmacht. Denn von wo lässt sich so eine amerikanische Wahl besser beobachten, als aus dem fernen Osten?! Acht Tage Russland standen auf dem Programm, Städtetrip nach Moskau und St.Petersburg. Gleich der Reisestart brachte einiges an Aufregung mit sich: mit der Fähre über Nacht nach Finnland. Schlafen auf dem fahrendem Schiff - wow. Leichte Panik stieg in mir auf, als mir bewusst wurde, dass wir noch unter dem Autodeck, das heißt also theoretisch unter Wasser schliefen. Diese Ängste wurden dann aber durch Duty-Freeshopping und dem aufregendem Varieté-Programm auf dem Schiff für etwa 60+ schnell beiseite gefegt. In Finnland angekommen, stiegen wir in den Bus und holperten gen St.Petersburg. Russlands Straßen sind eher Buckelpisten. Schlaglöcher gehören dort zu den

wichtigesten Accessoirs. Im Dunkel erreichten wir St.Petersburg, was mir die Kinnlade runterklappen ließ: 500 Paläste hat die Stadt, alle kunterbunt und nachts prächtig angestrahlt. So viel Prunk hätte ich nie erwartet. Dementsprechend vollgepackt war auch unser Touri-Programm der nächsten Tage: d
er Palast der Katharina der Große hier, Palast von Tsar so und so, Kirche von Tsarin so und so,
Eremitage etc. Da ich im russischen Adelsgeschlecht nicht so sehr bewandert bin, bitte ich die unkorrekte Aufzählung zu entschuldigen. Was zu sagen bleibt: St.Petersburg ist wirklich eine beeindruckende Stadt, vor allem im strahlenden Sonnenschein, der uns die ganze Zeit begleitete. Nach drei Tagen ging es dann weiter nach Moskau. Wieder eine Übernacht-Busfahrt. Ich schätze wenn ich mal alt bin und auf Kaffeefahrten stehen sollte, werde ich diese bevorzugt per Schiff absolvieren. Moskau ist nochmal doppelt so groß wie St.Petersburg und genau das vermittelt die Stadt einem auch schon bei der

Ankunft: kilometer weite und vor allem hohe
Plattenbauten, grau, braun und dunkel. Der Empfang ist nicht so beeindruckend wie in St.Petersburg. Trotzdem ließen wir die Hotspots natürlich nicht aus: Kreml von
innen und
außen, Bolschoy Theater, die Einkaufsstraßen, die Uni etc. Und, was ganz wichtig ist: am eingewachsten
Lenin sind wir vorbeispaziert. Dafür mussten wir allerdings erst das weitreichende Sicherheits-und Ehrerweisungsprogramm verinnerlichen: nicht stehen bleiben, nicht reden, keine Mütze, keine Handschuhe, Hände aus den Taschen. Im Gegensatz zum Mainstreamprogramm unserer Gruppe setzten wir uns sogar mal ab, um den Fernsehturm zu besichtigen, weil der aus technischer Sicht wohl sehr beeindruckend ist. Letztlich zeigten wir uns aber mehr begeistert von dem

Denkmal für die russischen
Kosmonauten. Alles in Allem auch schön - aber im Nachhinein nicht so schön wie St.Petersburg. Nach vorsichtigem Ertasten des Gefahrenpotentials beider Städte stellten wir fest, dass es sich durchaus auch lohnt,
nachts rumzuschlendern. Man wird nicht gleich überfallen oder erstochen. Alles im grünen Bereich.
Unsere Machtübernahme im Kreml ist gescheitert, weil Herr M. und Herr P. nicht in den heiligen Hallen weilten, während wir da waren. Dafür hätten wir ersteren fast in St.Petersburg gesehen, da wir wegen ihm nämlich im Stau standen. Naja, aber das Projekt ist ja noch nicht gestorben - wir bleiben dran.