Dienstag, 16. Dezember 2008

Weihnachtliches Gender Mainstreaming

Das wichtigste Fest der Vorweihnachtszeit in Schweden ist St.Lucia - zu Ehren der italienischen Heiligen, die das Licht in die Dunkelheit bringt. Jedes Jahr am 13.12 feiert Schweden die Lucia. Wir befanden, dass man als Teilzeit-Einwanderer dieses kulturelle Highlight miterleben muss und pilgerten am Freitag gen Domkirche. Jede Provinz, jede Stadt, jeder Kindergarten, jede Schule wählt eine eigene Lucia, die dann, gefolgt von "tomten", einer Schar Jungfrauen und Sternenknaben und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf, das Ende der dunklen Jahreszeit einläutet.
Eigentlich wollten Maren und ich uns schon am Donnerstag Abend in eine Zeremonie im Kindergarten mogeln. Da unser nicht mehr ganz dem Kindergarten entsprechendes Alter allerdings sofort ins Auge gestochen wäre, drehten wir noch vor der Tür wieder um und beschlossen, dass die Feier im Dom sowieso viel traditioneller wäre.
So war es dann auch. Ganz besinnlich, mit Einzug der Lucia, Predigt und Luciagesängen ging es in der Kirche zu. Die weibliche Pastorin sorgte bei unserer Schwarzwälder-Begleitung für leichte Verwunderung. "Da würde man bei uns erstmal schlucken", brachte der junge Herr leicht fassungslos hervor.
Tja, wir sind eben in Schweden - Gender Mainstreaming auf allen Ebenen. Schließlich ist in diesem Jahr zum ersten Mal auch ein männlicher Lucia am 13.12 durch die Dunkelheit marschiert. Und woher kam er? Aus dem Värmland.

Samstag, 6. Dezember 2008

Into the wild

Als Kind habe ich mich immer gefragt, was der Weihnachtsmann eigentlich den Sommer über macht. Nach einer Winterwoche in Lappland bin ich mir nun ziemlich sicher, dass er die warmen Monate verschläft, um Kraft zu sammeln den ganzen Winter seine Heimat zu genießen. Und wäre ich der Weihnachtsmann dort oben, ich organisierte mein Leben genauso.

Lappland im Dezember ist der absolute Wahnsinn. Es ist eiskalt (bis -20°C), dunkel (die Sonne geht nicht auf, Sonnenaufgang = Sonnenuntergang), der Schnee liegt kniehoch, aber das alles reicht nicht, der Landschaft ihre Schönheit zu nehmen. Knapp vier Tage verbrachten wir in Kiruna, Abisko und Narvik (Norwegen) und schöpften das Touriprogramm Lapplands komplett aus. Gleich am ersten Tag, nach 22 Stunden Fahrt, ging es auf die Schneemobile und Hundeschlitten. Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde meinen Schlitten gegen ersteres eintauschen. Schneemobil fahren, durch tiefverschneite Märchenwälder ist unschlagbar. Aber Schlitten scheinen in Lappland generell ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel zu sein, da selbst die Ältesten damit durch die Stadt cruisen. Es gibt sogar öffentliche Schlittenparkplätze, wo jeder sein Gefährt anschließen kann.
Am nächsten Tag brachen wir gleich früh auf in die Mine Kirunas, die größte unterirdische Mine der Welt. So groß, das komplett Kiruna umgesetzt werden muss, da die Stadt sonst droht einzustürzen. Auch das Eishotel ließen wir nicht unbesichtigt. Da das derzeit aber noch im Bau ist, fehlt noch ein bisschen der Spannungseffekt. Der eigentliche Highlight Tag im wahrsten Sinne des Wortes war aber Donnerstag. Am Morgen besuchten wir eine Samifamilie auf ihrer Renntierfarm und danach ging es weiter nach Norwegen. Man fährt ewig Schneeberge hoch, fragt sich, wann man endlich ankommt, biegt um eine Kurve und plötzlich liegt einem ein Fjord zu Füßen, der sich Kilometer weit dem Horizont entgegen streckt und an dessen Ende der Himmel rot gefärbt ist - das ist ein Anblick, der einem Gänsehaut über den ganzen Körper jagt. Den Abend verbrachten wir dann in einer kleinen Saunahütte, mitten im Niemandsland. 50 Meter von der Hütte lag ein fast zugefrorener See, der uns zus Abkühlung dienen sollte. "That's a little bit hardcore" hatte unsere Guide vorher gesagt. Aber wenn man schonmal da ist, nimmt man auch die hardcore Sachen mit. Allerdings nur einmal. Denn schon auf dem Hinweg zum See, den ich rennend absolviert hatte, waren meine Füße taub vor Kälte. Nie wieder werde ich nach der Sauna barfuß auch nur einen Krümel Weiß betreten!
Die Belohnung für die Qualen kam dafür aber prompt hinterher. Am Himmel breiteten sich plötzlich riesige grüne Leuchtschwaden aus - Polarlichter! Der eigentliche Grund, warum ich nach Lappland wollte. Man kann stundenlang stehen und nur zu sehen, da die Lichter ihre Form ständig ändern, mal verschwinden und wieder auftauchen. Ein unglaubliches Naturspektakel.

Wäre ich der Weihnachtsmann, ich würde Weihnachten in den Sommer legen und im Winter nur durch Lappland stiefeln.

United in Manchester

Das Eldorado des BritPop, ein Maximum an Hip-Faktor, eine breitgefächerte Clubszene und mitten drin Steffi, Melanie, Judith und ich. Vier Leipziger Mädels aus vier Ecken Europas - in England wiedervereint, besser geht es gar nicht. Und so trafen wir uns letztes Wochenende in der Heimat von Oasis, Ian Curtis und Take That um drei Tage lang Wiedersehen zu feiern, einzukaufen, tanzen zu gehen und Manchester zu ergründen. Plan und Datum standen seit Sommer fest. Am Donnerstagabend war es dann soweit: Wir fanden uns auf dem "New Order"-Floor des Hostels wieder, völlig verzückt und voller Wiedersehensfreude. Die erste Nacht bestand aus englischen und schwedischen Erasmusgeschichten und Neuigkeiten aus der Leipziger Heimat, die das Heimweh in mir hervorbrachten. Um Letzteres zu bekämpfen brachen wir am nächsten Morgen gleich zum Shoppingmarathon auf, der uns alle einiges an Kraft kostete. Trotzdem: Freitag Abend pilgerten wir zum Sankys, einer alten Seifenfabrik, in der an diesem Abend das Digitalism-DJ Set auflegte, wegen dem wir eigentlich nach Manchester gekommen waren. Denn wieso deutsche Acts in Deutschland sehen, wenn man dafür auch auf die Insel kann?! Für geschlagene 15 Pfund (etwa 19 Euro) versüßten wir uns also den Abend mit feinster Elektomusik. Am nächsten Tag standen Sightseeing, die alte Manchester Werft, die Art Gallery und der Weihnachtsmarkt auf dem Plan. Endlich mal wieder legal in der Öffentlichkeit alkoholhaltigen Glühwein trinken, ohne dafür ein Vermögen zu zahlen. Auf dem good old "German Christmas market" kam bei Heidelbeerglühwein, Spekulatius und "Oh du Fröhliche" auch die erste Weihnachtsstimmung auf. Am nächsten Morgen stand schon wieder der Abschied an. Drei Tage, die viel zu schnell vergingen.