Montag, 30. März 2009

Ein Hauch von Urlaub

Nach zwei Prüfungs- und Hausarbeitswochen hatte ich ein bisschen Entspannung nötig. Einen Hauch von Urlaub holten sich Bernd und ich am Wochenende an der Westküste Schwedens, im Bohuslän. Die Schäreninseln und die von der Eiszeit geformte Küstenlandschaft sind Unesco Welterbe und das, wie ich nach diesem Wochenende befinde, auch völlig zu recht. Wir verbrachten den Sonntag auf der minikleinen Insel Marstrand. Die hat 1700 Einwohnern, wovon 50 Prozent nur im Sommer dort wohnen. Von den restlich 850 sah man fast niemanden, das Dorf war wie ausgestorben. Das eigentlich schöne ist aber auch nicht das Städtchen, sondern die Insel an sich. Auf einer kleinen Rundwanderung gelangt man bis ans offene Meer, eingenebelt vom Dunst des Frühlings. Die Hoffnung auf Letzteren hätte ich fast aufgegeben, bis ich in Göteborg das entdeckte und der Tag damit aufhörte. Es scheint, als würde er auch in Schweden existieren, der Frühling.

Warum Mustafa die Deutschen liebt - Meine Mitbewohner Teil 3

Seit zwei Wochen habe ich einen neuen Mitbewohner. Er ist geschätzte 55, geht mir etwa bis zum Kinn und hat einen kugelrunden Bauch. Letzte Woche hat er sich mir vorgestellt. Mustafa heißt er. Mustafa kommt aus dem Iran und ist Professor für Verpackungswissenschaften. In Karlstad ist er im Rahmen eines Gastdozenten-Auftrags und Forschungsaufenthaltes. Als er hörte, dass ich Deutsche bin, wollte er mich gleich zum Essen einladen - Spezialitäten aus seiner Heimat. Allerdings hatte ich keine Zeit und so folgte nur ein kurzes Gespräch, das allerdings eher ein Monolog Mustafas war. Er lief in etwa so (ich gebe nur wieder und enthalte mich jeglicher Kommentare bzw. Wertungen):
"You know what I admire about you Germans? It's your brain. The German Engeneering education is the best in the world. You wanna know why? Because you're genius. You have the cleverest minds, I've ever experienced. I am a big admirer of Adolf Hitler. If he was still alive, the world would be a better place. At least his ideas should be carried on. You should be proud on being German and make sure that his ideas will be realised one day."

Samstag, 21. März 2009

Oslo-Trip

Von Karlstad sind es nur zwei Stunden Busfahrt in die teuerste Stadt Europas im teuerste Land der Welt - nach Oslo. Da wurde es nach sieben Monaten hier langsam Zeit zu erkunden, ob die Stadt noch mehr zu bieten hat, als unverschämt hohe Preise. Am letzten Wochenende fuhren Bernd und ich für einen Tag nach Norwegen. Statt des erwarteten Sonnenscheins begleitete uns eine dicke Wolkendecke den ganzen Tag, was der Stadt aber nichts nehmen konnte. Oslo hat ungefähr 500 000 Einwohner und wirkt zugegebenermaßen nicht wie eine Weltmetropole, aber eben auch nicht wie ein Provinzörtchen. 12 Stunden sind lange nicht genug, um alles zu sehen, was der Stadt ihren Charme gibt. Trotzdem nahmen wir soviel mit wie möglich: die Oper, die Angela Merkel im letzten Jahr zu dem aufsehenerregenden Dekolltée bewegte, den Königspalast, Festung, Altstadt, Hafenstadt, Herrn Alfred Nobel und dem Vigelandspark, der meiner Meinung nach das Highlight der Stadt ist. Fazit: Preise unverschämt (der billigste Tetra-Pak Kopfschmerz-Wein 9 Euro, ein Straßenbahnticket in der Bahn: 4 Euro), Stadt trotzdem schön, sollte man unbedingt nochmal im Sommer hin, an Samstag Abenden nicht unbedingt reich bevölkert.

P.S.: Für Verwirrung sorgte dieses Plakat.Es stellte sich aber heraus, dass "gay" auch "bunt" heißen kann. Wieder etwas gelernt.

Samstag, 7. März 2009

Was muss, das muss

Eigentlich wollte ich es nicht. Keine Klischeebestätigung. Kein Rumreiten auf vermeintlichen Halbwahrheiten. Aber heute muss es sein.
Es heißt ja oft: die Schweden, die trinken doch so viel. Und auch wenn die Statistik was anderes behauptet, ich muss sagen: oh ja, das stimmt. Erst gestern durfte ich wieder Zeuge werde. Hautnah sogar.

Es war im Nachtbus auf dem Nachhauseweg. Der Bus voll mit jungen Leuten, leichtbekleidet und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne. Wahrscheinlich war ich der einzig nüchterne Mitfahrer an Bord. Ich setze mich also auf einen Klappsitz, dahin, wo sonst Platz für Kinderwagen ist. Direkt über/hinter mir höre ich es schmatzen: ein betrunkenes Pärchen, dabei sich gegenseitig aufzuessen. Also stecke ich mir die Stöpsel meines mp3 Players in die Ohren und wünsche mich in mein Bett. Wenige Sekunden später nehme ich einen beißend-säuerlichen Geruch wahr und konstatiere: jemand hat sich seines Überschusses an Alkohol entledigt. Oral, dem Geruch zufolge. Ich blicke suchend herum, aber alles was ich sehen kann sind mitleid-geschwängerte Blicke der anderen Mitfahrer in meine Richtung. Was wollen die denn? Ich habe nicht gekotzt, denke ich. Der Geruch wird stärker und ich vernehme langsam eine warme, breiige Sustanz meinen Rücken runterkriechen. Bingo! Dem Mädel des sympatischen Paares über mir ging es anscheinend nicht gut. Und da kotzt man doch lieber seiner Mitfahrerin auf und in Jacke und Kapuze als in eine Tüte oder den Mülleimer. Meine grenzenlose Wut konnte ich leider nicht an der jungen Dame auslassen, da die ob ihrer Trunkenheit nicht mehr ansprechbar war.
Das Ende der Prozedur: ich hatte noch eine halbe Stunde Fahrt vor mir, in der ich permanent gegen meinen eigenen Brechreiz (ausgelöst durch den Geruch und die Tatsache des Vollgebrochen seins, nicht durch Alkoholkonsum!) kämpfen musste. Zuhause angekommen wurde die Jacke gründlich gewaschen, auf den Balkon verbannt und gleich die Waschmaschine für heute Nachmittag geblockt.
Nach geschätzten zehn Litern Weichspüler und einem 40°C Waschgang riecht sie nun wieder nach "Blütenduft" à la Lenor. Mein Bad hingegen hat immer noch etwas von dem beißenden Geruch aus dem Bus.
Soviel zum Thema Klischeebestätigung.

PS: Um mich dem Vorwurf der einseitigen Darstellung zu verwahren: Selbst in einer meiner letzten Vorlesungen fiel die Behauptung (von einem Schweden wohlgemerkt!), Schweden werde oft mit den vier großen S assoziiert: suicide, sex, socialdemocraty und spirit (=Hochprotzentiges).
Laut Statistik trinken die Schweden nur halb so viel Alkohol (nämlich 5,62 Liter reinen Alkohol pro Jahr und Kopf) wie die Deutschen (10,71 l). Aber entweder nimmt die Menge hier mit steigendem Alter exponentiell ab, so dass die Jugend den Großteil konsumiert, sich die Gesamtsumme dann aber auf die komplette Bevölkerung umlegt oder die 5,62 Liter werden auf einmal konsumiert und dann wieder ein Jahr lang nicht. Ich werde es rausfinden.
Mehr Infos hier: http://data.euro.who.int/alcohol/Default.aspx?TabID=4936

Mittwoch, 4. März 2009

Billie und Visionen in Stockholm

Heimatbesuch ist was schönes. In (fast vollständiger) alter Leipzig Besetzung erkundeten Claudia, Franziska und ich am Wochenende alte und neue Ecken der schwedischen Hauptstadt. Diesmal mit Schnee und Eis, was aber durchaus auch was für sich hat. Im 17-Menschen (um der schwedischen gender equality gerecht zu werden) Bett Zimmer schlief es sich besser als angenommen. Claudia brachte aus Deutschland eine große Protion Ruhe mit, so dass wir uns drei stressfreie Tage machen konnten. Wie immer auf dem Plan: Gamla Stan und Södermalm. Diesmal neu für mich: Museen satt. Bei abendlicher Kultur musste ich leider erkennen, dass sowohl meine Seh- als auch Erinnerungsvermögen zu Wünschen übrig lassen, meine Überzeugungskraf dafür aber nach wie vor ungeschlagen ist - sehr zur Belustigung der beiden anderen.