Samstag, 31. Januar 2009

Der Verstopfung den Kampf angesagt


Offensichtlich scheint es in Karlstad ein bisschen Verwirrung über die korrekte Handhabung von Toiletten zu geben. Um allen Unwissenden dabei helfend zur Seite zu stehen, hat man keine Kosten und Mühen gescheut, die komplette Innenstadt mit diesen beiden selbst Analphabeten und Ausländern verständlichen Plakaten zu tapezieren. Auch das gehört hier zum Sozialstaat. ("Inte Bra" = Nicht gut, "Tänk på vad du spolar ner" = Denk drüber nach, was du runterspülst)




Mittwoch, 21. Januar 2009

Harte Schale, weicher Kern - mein Mitbewohner Johnnie, Teil 2 der Mitbewohnerstudie

Johnnie ist Schwede. Allerdings ein ziemlich außergewöhnlicher. Denn Johnnie ist - im Gegensatz zu vielen seiner Landsmänner - äußerst mitteilungsbedürftig. Besonders gern diskutiert er sein Genie und sein gutes Aussehen. Johnnie ist nämlich Fitnesstrainer. Geschätzte 1,90m, Waschbrettbauch, dickere Arme als ich Oberschenkel habe und ein Stiernäckchen gehören zu den Errungenschaften seines harten Trainings. Da das Resultat seiner überaus beeindruckenden sportlichen Leistungen leicht unterschätzt werden könnten, trägt er im Wohnheim stets Shorts. NUR SHORTS. Bei diesen Temperaturen könnte im Ausnahmefall mal ein Unterhemd dazukommen, allerdings nur eines, das seine stahlharten Muskeln abzeichnet.
Wer soviel Sport treibt, braucht viel Energie. Das ist sein zweites Lieblingsthema: ESSEN. Johnnie verbrennt viermal so viele Kalorien wie ein durchschnittlicher Mensch am Tag. Deswegen hat er einen eigenen Kühlschrank. Ebenfalls 1,90 Meter hoch, stets gut gefüllt, gepflastert mit "Hände weg"-Aufklebern und nur für Johnnie. Daneben stehen seine beiden eigenen Kühltruhen. Wenn es in der Küche rumpelt, kann man davon ausgehen, dass Johnnie wieder einmal kocht. Das macht er etwa vier bis fünf Mal am Tag. Eben immer dann, wenn er nicht gerade Gewichte stämmt oder trinkt.
Denn das ist seine drittliebste Beschäftigung, die mit seiner viertliebsten - den Frauen - einhergeht. Wer so unglaublich gut aussieht wie Johnnie, hat natürlich kein Problem Frauen aufzureißen. Wenn man davon nicht durch Zufall selbst Zeuge wird, lässt Johnnie einen das spätestens am Morgen "danach" wissen, inklusive aller Details. Meistens erinnert er sich allerdings nicht so sehr an die Details der Frauen, aber das sind auch nur die unwichtigen, wie Name, Alter oder Telefonnummer.
Und sollten all diese Themen ausgereizt sein, bleibt immer noch Johnnies Genie. Er hat nämlich ein photographisches Gedächtnis, das er sich selbst "antrainiert" hat. Johnnie kann das. Er lernt nie, er geht nie zur Uni. Er braucht alles nur einmal überfliegen und schwupp ist es in seinem Hirn. Übrigens wird er Lehrer. Für Sport und Schwedisch. Natürlich.

Manchmal wird aus dem harten Kerl aber auch ein ganz weicher, verletzlicher kleiner Junge. Dann stellt Johnnie seine Boxen auf den Flur (damit er auch beim Kochen Musik hat) und dreht voll auf: Mariah Carey, Whitney Houston und Celine Dion. Das geht selbst dem härtesten Mann ans Herz.

Johnnie ist toll.

Herzlicher Empfang

Groß, blond, blauäugig - so sehen dem gängigen Klisché zufolge die Schweden aus. Stimmt teilweise. Laut meinem "Aspects of Sweden" Prof leben hier die meisten blonden Menschen der Welt. Und das sollte auch so bleiben, wünscht sich zumindest die Organisation "Schwedische Jugend". Seit Sommer schon kleben in Uninähe kleine nette Sticker auf denen steht: "Kulturelle Vielfalt? Nein Danke! Wir haben unsere eigene!" Illustriert ist das mit netten blonden Schwedinnen, die ihre Flagge schwingen. Seit einer Woche klebt dieser Aufkleber nun auch groß und für jeden sichtbar an der Bushaltestelle am Wohnheim.
Ähnliche Jugendvereinigungen kennt man ja auch bei uns aus früheren Zeiten. Nicht, dass ich die hiesige mit der Deutschen mit den beiden großen Buchstaben vergleichen will. Aber als Ausländer fühlt man sich doch gleich herzlich willkommen, wenn man vor solchen Sprüchen steht.
Mehr Informationen gibt es auf der angegebenen Webseite. Nur auf Schwedisch natürlich. Sprache ist ja auch Kultur.

Montag, 19. Januar 2009

Das Jahreshoroskop der Bleiblume

Der guten alten Tradition folgend, habe ich am 01.Januar im heimatlichen Leipzig mit Steffi, Judith und Melanie Blei gegossen. Der graue See auf meinem Löffeln, den ich unter großem Zischen in die Wasserschale goss, verwandelte sich laut Melanies Deutung "eindeutig in eine Blumenvase". Und Blumen stehen laut Verpackung "eindeutig für neue Freunde". Neues Semester, neue Freunde - passt ja wie die Faust aufs Auge. Bevor es zu all den Neuigkeiten geht, sind aber erstmal die alten Probleme zu beheben: eine nicht funktionierende Heizung, undichte Fenster und eine Außen- (und gefühlte Innen-)temperatur von -5°C. Dem habe ich nun eine dicke Erkältung zu verdanken, inklusive verlorenem Geschmackssinn. Das mit den neuen Freunden muss wohl noch ein bisschen warten.

Sonntag, 18. Januar 2009

Meer gegen den Kulturschock

Nach fast drei Wochen Erfurt und Leipzig schnürte ich Anfang Januar wieder meine sieben Sachen (die nach der Ausmistung meines Leipziger Kleiderschranks ins Unermessliche gewachsen waren) und fuhr mit Bahn und Bus zurück nach Schweden. Highlights der Reise: mit dem ICE in die Fähre und nach Dänemark übergesetzt und im Bus über die Brücke von Kopenhagen nach Malmö. Um den immensen Kulturschock von mittlerer Großstadt (à la Leipzig und Erfurt) auf minimalistische Kleinstad (à la Karlstad) etwas abzumildern, blieb ich die ersten vier Tage bei Bernd in Göteborg. Schön ists da. Wirklich sehr schön. Besonders angetan bin ich von den Schäreninseln. Auf der größten - Styrsön - verbrachten wir den einzigen Sonnentag der Woche. Man hätte glatt denken können, es ist Oktober. Trotzdem: Meer ist immer wieder toll.